Bayern gegen den Rest der Welt
Sie sind schon ein komisches Völklein unsere Nordösterreicher.
Jahrzehntelang lassen sie sich von einer stotternden Figur regieren, die seine Frau in der Öffentlichkeit Muschi nennt. Ungeachtet der Tatsache, dass sich diese Person, die in die Fußstapfen ihres Protegés nie richtig hineinwuchs, aber sich über den Werteverfall bei Jugendlichen aufregte, die ihre Freundin Bitches oder Chicks nennen. Das ist natürlich ungleich verwerflicher als seine eigene Frau Muschi zu nennen.
Nun ist in meinem Lieblingsmagazin aus Hamburg dieser Person eine Menge Seiten als Abgesang gegönnt worden, weil er das Ruder an den Mann mit Nagetierphysiognomie und Verfolgungswahn abgibt.
Bei diesem meinem Lieblingsmagazin sind es die Leserbriefe, die einen so richtig in Schwung für den Wochenstart bringen.
Da schreibt zum Beispiel ein Herr D. H. aus der Weltmetropole Langensendelbach in Bayern – ich zitiere:
„Dass ihr dämlichen Nordlichter, die ihr nicht mal die zweite Lautverschiebung mitgemacht habt, euch allmählich nicht blöd vorkommt: Wenn ihr über Bayern berichtet, dann werden seit Jahrzehnten die gleichen Klischees verwendet. Unsere Politiker werden fast ausschließlich in Trachtenanzügen und mit abenteuerlichem Hutschmuck abgebildet. Wahrscheinlich wollt ihr Bayern als exotisches, hinterwäldlerisches Land desavouieren (=verleugnen -könnte mein neuestes Lieblingsfremdwort werden), ohne zu bedenken, dass hier eine exzellente Wirtschafts-Sozial- und Bildungspolitik gemacht wird, von der eure rückständigen, am Rande des Staatsbankrottes angesiedelten Fläche und Stadtstaaten nur träumen können.“
So, erst einmal sacken lassen. In der Klammer hab ich ihnen schon einmal den Begriff desavouieren gegoogled. Achja, den Namenszusatz Dr. habe ich oben vergessen
Nun ergibt die kurzzeitige Internetrecherche erst einmal einen sich im wahrscheinlich im Ruhestand befindlichen 66-jährigen Zeit-Leser, der gerne auf Kochduelle geht.
Soweit so niedlich. Mit seinen 66 Jahren vermittelt dieser gute Mann schon den Eindruck eines ver-alzheimerten Hobbycholerikers, der die Nachkriegsgeschichte beider Kriege irgendwie verdrängt hat. Sie ist ihm sozusagen abhanden gekommen. Wäre dem nicht so, hätte dieser beachtenswerte Mensch sich daran erinnern können, dass die Hauptexportartikel aus Bayern bis in die späten 60/70er aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Folklore und Personen mit Extremcharakteren bestand. Aber nicht aus Dingen die der Gesamtwirtschaft ausschlaggebend beigetragen hätten.
Aber fangen wir oben an. Er befasst sich mit Linguistik. Gut. Natürlich haben die Menschen oberhalb des Weisswurstäquators nicht die zweite Lautverschiebung mitgemacht. Brauchten wir unsere Sprachen ja auch nur minimal anzupassen. Anders als die Bergvölker, die sich mit langen aushöhlten Fichten verständigten oder sich beim Begrüßungstanz herzhaft auf Waden und Wangen schlagen. Deren gutturale Verständigung erst ab Franken verständlich wird.
Nicht umsonst liest man auf Schweinfurter Breitengrad von Norden kommend immer wieder folgende Warnschilder
„Achtung- sie verlassen die zivilisierte und deutsche Sprachzone“
Und natürlich bilden wir deren Politiker meist nur in Trachten ab. Erstens weil das unpeinlichere Bilder und Sendungen gibt als die Parteitage einer Partei die nur von umgerechnet 37% der bayrischen Bevölkerung gewählt wird. Und zweitens weil kein norddeutscher Politiker sich beim Bergbauern um die Ecke derart lächerlich verkleiden muss um an seine Stimme zu gelangen.
Weil Bayern doch zum Großteil aus Dörfern besteht in denen seltsame Bräuche abgehalten werden. Zum Beispiel der Brauch des „wir wollen in unserem Dorf bitte keine migrationhintergründige Personen haben“ Gut, der Immigrant, der etwas auf sich hält wird sich auch in eine Großstadt verziehen wollen. Weil sonst die Gefahr besteht, das total gebildete, wirtschaftlich und sozial integere Personen ihre Mistgabeln und Fackeln auspacken und ihn besuchen wollen.
Aber der Herr hat schon Recht. Es kommt soviel Gutes aus Bayern. Und da auch bei mir Godwin nicht unbedient bleiben darf, würde ich gerne auf postkartenmalende Penner aus München, juristische Glanzzeiten aus Nürnberg und wahnsinnige Könige deren Bauerwerke als Vorlage für Disney herhielten, verweisen. So als Schmankerl zum durch den Kopf gehen lassen. Als Kontrast dazu, was sich viele Besucher des Oktoberfestes jeden Tag durch den Kopf gehen lassen. Rein und wieder raus. Dies ist eigentlich das Einzige was man Bayern wirklich ankreiden lassen kann. Das der Rest der Welt nur den Eindruck von Deutschen in Lederhosen und mit Bier und Gamsbarthut hat. Dafür muss man sich schon bedanken bei den Bayern. Und den Hut ziehen. Den modischen. Nicht den aus den Loden.
Wobei das mit der Bildung zumindest für Herrn Dr. D. H. aus Langensendelbach anbei vorbeigekommen ist. Obwohl….nein, zumindest kann sein Leserbrief immer noch als Beweis dafür dienen, daß manche Doktorarbeiten nur auf Fleiss beruhen und nicht auf Intelligenz und Bildung.
ich glaube da solltest du mal den fremdwörterduden bemühen
Bin ich fauler Finge doch glatt auf Wiktionary und Meyer hereingefallen….man sollte eben nicht das Erstbeste anklicken um sich zu informieren….