an, zum Beispiel, Henryk M. Broder.
Es gibt Dinge, die müssen sich entwickeln und die benötigen Zeit um zu reifen. Gute Dinge wie Wein, oder Käse. Henry M. Broder hatte schon viel Zeit zu reifen. Durchaus literarisch Wertvolles kam aus seinen Fingern. Meist auch fern ab von allem, was das immer wieder dezent einseitig gespannte Verhältnis der Juden zu den Deutschen seit 50 Jahren ausmacht.
Das Polemische des gebürtigen Polen war nie so richtig aufdringlich und meist durchaus witzig.
Leider schlägt manchmal der Wein in der Flasche um und wird zu Essig, oder der Käse entwickelt einen anderen Schimmelmantel als man gemeinhin am Camembert gewollt haben möchte.
Der gute alte Herr Broder wird leider immer verbitterter und setzt mit seinen Vergleichen und seinem Schreibstil Schimmel an.
Sein neuester Erguss in meinem Lieblingsmagazin aus Hamburg über Mario Barth spricht Bände über einen Schriftsteller der bei allem ehemaligen Scharfsinn nicht erkennt, dass er selber stehen geblieben ist. Vielleicht darf man ihm aber auch keinen Vorwurf machen, dass er sich hinkender Vergleiche bemüht die leider nur die Fernsehzeit von `50-`70 beinhalten. Dabei hat er doch in den 60ern seine Jugend verbracht und das mitgemacht, was Zeitgenossen seines Jahrgangs nun das als hehres Ideal das ansehen, wofür sie ihre Eltern damals verurteilt haben.
Ja, so traurig es klingen mag, aber Herr Broder liest sich nicht mehr mit dem Witz, mit dem ihn ein Markwort mal betitelt hat. Herr Broder klingt wie eine Frau, die sich, dass Kissen unter die Arme geklemmt, immer mehr zu weit aus dem Fenster lehnt, um sich über die spielenden Kinder zu beschweren. Bedauernswert festgefressen in Vergleichen und Ansichten.
Natürlich stellt ein Mario Barth nicht den Anspruch an das Publikum wie ein Herr Hüsch.
Ein Mario Barth will unterhalten. Nicht mehr. Und er nutzt das, was Herr Broder anscheinend verlernt hat. Das alltägliche Leben fernab von aller Sinnsuche. Das unterscheidet den Komödianten (oder neudeutsch Comedian) vom Kabarettisten Hüsch. Herr Broder hebt einen Kuhlenkampf in die Höhe und stellt ihn und die anderen Unterhalter des 3-Progamm-Fernsehens als die Leuchten deutscher Niveauunterhaltung zur Schau und vergisst dabei völlig, dass fast alle die er witzig findet schon tot sind. Genau wie der denen eigene Witz.
Vielleicht ist es aber nur eine unterbewusste Zurschaustellung seines Weltbildes. Angetrieben von den Toten seiner Religion, durchsetzt mit der gebetsmühlenartigen Weckung des deutschen Gewissens, hat er vergessen was es heißt, heutzutage zu leben. Wäre ich so polemisch wie ein Herr Broder würde ich mich fragen, ob er heutzutage schon mal eine Frau kennen gelernt, oder selber in einer Vorstellung von Mario Barth gesessen hat. Denn anhand seines Geschreibsels im Spiegel kann man Beides getrost in Frage stellen. Aus dem guten Wein Broder ist nur etwas mehr als eine Essigessenz geworden. Ein verschimmeltes Stückchen Höhlenkäse. Vielleicht sollte Herr Broder endlich das tun, was seine Benchmark-Komödianten schon hinter sich haben. Oder zumindest sich aufs Altenteil begeben und seine Hinterhof-Kissen unter dem Arm-Langweiltiraden nur noch am Wohnort ausposaunen. So würde zumindest nur sein, augenscheinlich arg begrenztes, Umfeld mit den Stammtischtiraden einer veralteten und arg verstockten „Bildungsbürgergesellschaft“ gelangweilt. Und der Spiegel hätte zwei Seiten mehr für Niveauvolleres und Zeitgemässeres als Herrn Broder.
Werbung zum Beispiel.
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