Gemaux findet, dass neben den Handys die Navigationssysteme eine der sinnigsten Erfindungen, die der Menschheit angetan wurden, sind.
Wenn man viel mit dem Auto unterwegs ist. Also auf Montage, oder um Lasten von A nach B zu bringen, oder -so wie der Gemaux vor seinem Erziehungsurlaub- um potentielle Neu- und garantierte Altkunden in Städten zu besuchen, deren Anfahrtswege man noch nicht verinnerlicht hat.
Nun sind Navigationsgeräte heute auch erschwinglich und die Firmen sparen sich mittlerweile auch die kostspieligen Testfahrer zum Streckenaktualisieren, indem sie die Geräte einfach untereinander kommunizieren lassen wegen des Kartenabgleichs.
Schöne neue Welt, denkt sich da Tante Liselotte in ihrem nicht mehr ganz neuen Ford Fiasko von 1995 und kauft sich ein TimTim Run!. Klebt sich den Halter an die Windschutzscheibe und schon passiert, was passieren muss. Die Stoßstangen von Tante Liselotte künden von ihrem Verhältnis zu den Abmessungen des Wagens und der Fahrstil zu ihrem generellen Verhältnis zum Straßenverkehr. Und nun wird sie auch noch abgelenkt. Durch die nette Stimme da, die sie zielstrebig zu dem 3 km entfernten Aldimarkt hinführt. Oder zu Annemie, die 2 km vom Aldi und damit 5 km von ihr entfernt wohnt. Diese Wege fuhr Liselotte bisher ohne Navi (so nennt sie das Gerät mittlerweile ja auch könnerisch liebevoll) auch gut.
Aber es könnte ja mal sein, dass man auf diese ominösen Autobahnen muss. Oder das auf einmal das Ortsschild mit einem roten schrägen Balken an einem vorbeirauscht. Um dann der völligen Orientierungslosigkeit nicht ausgeliefert zu sein, hat sie sich beim Elektromarkt ein Navigerät besorgt. Eine Frau die schon Angst bekommt, dass ihr ab Tempo 100 die Reifen abschreddern und die den 4. Gang das letzte Mal in der Fahrschule benutzt hat, kauft sich ein Navigationsgerät. Und genauso schlimm fährt sie dann. Also noch weitaus schlimmer als vorher. Gemaux fragt sich da, bestimmt nicht ganz zu Unrecht: WOFÜR?!
Navigationsgeräte sind nützlich, keine Frage. Sie sind nützlich für Leute, die es eilig haben. Denn Navigationsgeräte sorgen dafür, dass Pendler, die morgens schlaftrunken die linke Spur versperren, sich für vermeintlich fuchsisch halten und vom TMS gesteuert die Seitenwege verstopfen. Während auf der Bahn alles auf einmal entspannter vonstatten geht. Weil mittlerweile in jeder Karre so ein Bildschirm klebt. Egal ob der Besitzer 80.000 KM im Jahr fährt oder 5.000. Allerdings beobachtet der Gemaux bei Letzteren immer öfter eine leichte Überforderung. Die Kombination von rostigem Kleinwagen mit transusigem Fahrer wird auch dann nicht straßentauglicher, wenn in der Windschutzscheibenmitte die vermeintlich erste Frau im Wagen sitzt und ihren Senf zum Fahren dazu gibt. Die ~200€, für den kleinen elektronischen Helfer wären für alle besser in ein Fahrtraining investiert gewesen. Komischerweise machen das aber meist nur die, die eh ihren Tagesablauf mit dem PKW und in ihm verbringen. Dabei hätten es die anderen doch viel nötiger.
Findet Gemaux und wünscht einen schönen Wochenanfang.
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