Irren ist Ackermännlich..

24 03 2008

Spüren Sie auch dieses leichte Beben? Diese Vibrationen, die sich durch die Lüfte bewegen wie das sanfte Flügelschlagen der zurückgekehrten Lerche pünktlichst wie immer zum Frühlingsanfang?

Aus Frankfurt kommt das Beben. Aus der Metropole des Drogenkonsums und der grössten Irrenanstalten….Verzeihung, natürlich der Finanzwelt in Deutschland.

Und die Vibrationen, die sie spüren haben mit Frühlingsgefühlen soviel zu tun wie Ottfried Fischer mit den Weight Watchers. Das hängt zum einen mit der Steuerfahndung zusammen. Nun hat sich doch glatt ein ehemaliger Bankerpresser auf die Draisine der Steuergleichheit geschwungen und winkt mit einer Datei, deren Größe die des ersten Informationsgewinnlers noch weit übertrifft. Nicht nur wer wie viel, auch wo und wohin außerhalb Lichtensteins. Doch noch muss die zuständige Behörde die Füße still halten, so sehr die Ermittlungsbeamten auch mit den Durchsuchungshufen scharren. Denn der Informant hat so dermaßen viel Dreck am Stecken, dass es selbst unserem TSI Bochum-Wattenscheid (Tax Scene investigation) Sonderkommando nicht geheuer ist.

Anderen auch nicht. Zum Beispiel denjenigen die sich immer noch nicht selbst angezeigt haben.

Die anderen Vibrationsauslöser dürften bei den Banken ihren Ursprung haben. Da verkündete der Herr Ackermann noch im Interview mit meiner Lieblingsjournallie aus Hamburg vollmundig, dass Manager ja enorme Risiken zu tragen hätten und im Falle einer Weltfinanzkrise wie sie gerade herrscht auch der Staat einzuspringen hätte.

Das ist ungefähr vergleichbar mit dem Metzgerlehrling, der die Rippchen total vernichtet, weil er sich auf eine tolle neue Idee eingelassen hatte und nun der Bauer, respektive der Schlachthof dafür gerade stehen soll, dass der Laden pleite und das Fleisch allenfalls für die Knochenkiste zur Collagenproduktion und Seifenherstellung herhalten kann.

Vollmundig plädierte er für Abfindungszahlungen für Topmanager in Millionenhöhe mit monatelangem Nutzungsrecht von Dienstwagen und Besteigungserlaubnis der Sekretärinnenhügel. Also im Falle des Versagens. Im guten Fall, also dem mittlerweile unwahrscheinlichen Fall, wenn er seine Arbeit richtig und gut macht, darf er sich ein neues Paketchen schnüren und in die Verlängerung gehen. Wie bigott das ist, fällt hoffentlich nicht nur mir auf.

Und wenn absolut alle Stricke langsam mit sanftem PLING! aufspleissen -kommt ein Herr Ackermann daher und versucht die PR-Aktion „Aktion Manager“ Die armen armen armen verblendeten Herren können doch nichts dafür, dass nun Abschreibungen in Milliardenhöhe ihr Ergebnis schmälern.

…Wer denn dann? Der Steuerzahler, der für sein Konto erst dann nichts berappen muss, wenn er einen monatlichen Mindestzahlungseingang verzeichnen kann? Sprich, wenn sie nichts haben müssen sie gefälligst noch bezahlen dafür. Der Steuerzahler, der eh schon die Hundertschaften durchfüttern muss, die ein Manager im Betriebsergebnisverbesserungswahn dem Arbeitsmarkt wieder überantwortet hat, soll auch noch dafür gerade stehen, wenn der Herr Ackermann und seine Kollegen in den Führungsetagen für ihren Dilletantismus gerade stehen müssten?

Verzeihen Sie mir die Frage, aber haben die alle Lack gesoffen?

Haben die irgendwann mal mit einem Firmeninhaber gesprochen, der wirklich für das gerade stehen muss, wenn er Mist baut? An dessen Können die Mitarbeiter eines Unternehmens hängen? Der nicht wie Finanzjongleure schon in der Ausbildung jeglichen Bezug zu dem Zahlenhintergrund verloren hat? Vielleicht sollte man Aufklärungsfilme für die Herren Bänker und BWLer drehen die zeigen, wie ein Firmeninhaber normalerweise mit einem leitenden Angestellten verfährt, wenn dieser sprichwörtlich den Bus mit Karacho gegen die Wand gesteuert hat.

Selbst der Gemaux arbeitete bisher immer unter dem Druckpunkt: Wer schreibt, der bleibt. Kein erfülltes Umsatzziel ? Und tschüss. Und zwar ohne Abfindungen und generöse Schmerzpflästerchen. Harte Realität meine Herren Topmanager. Das heisst es, wenn man für seine Entscheidungen direkt Verantwortung trägt und gerade stehen muss. Vielleicht sollten die Mittelstandsmanager mal Seminare im wirtschaftlichen Können, Verantwortungsgefühl und –Philosophie geben. Ich verweise da an den Herren von gmx.de und Web.de. Scheint ein weiser Mann zu sein. Und ein erfolgreicher noch dazu. Gut, dass es solche wie ihn oder den Herrn Miele noch gibt.

Jeder Firmeninhaber aus der Wirtschaft der seinen Laden selber aufgebaut hat oder übernommen und ausgebaut hat, hat anscheinend deutlich mehr Wissen und „Eier“ um drohende Pleiten abzuwenden, oder im schlimmsten Fall dafür gerade zu stehen als die Herren in Frankfurt und New York. Nein, es kommt noch schlimmer. Wer hilft denn dem Firmeninhaber am Allerwenigsten, wenn es mal zu einer Notlage kommt und macht lieber vorsichtshalber den Geldhahn zu? Hallo Herr Ackermann? Haben sie erkannt, was ich meine?

Wenn ihre Kollegen in Frankfurt schon nicht den Willen haben, kurzfristige Illiquidäten abzufedern und/oder aufzufangen….wieso sollte der Staatsbürger dafür Verständnis haben?

Was du nicht willst, was man dir tu- das füg auch keinem anderen zu. Und gerade die Herren der Hochfinanz umgeben sich doch immer gerne mit dem Credo der absoluten Übersicht und dem Kokon des „wir sind die Elite“. Aber wenn es der Elite schlecht geht, soll der Bürger, dem es meistens durch das elitäre Versagen erst so richtig schlecht geht auf einmal die Arme öffnen und trösten? Sozusagen dem koksenden und saufenden Familienvater der, solange es gut ging, durch die Gegend hurte und Spaß hatte auch noch für Schläge und anschließendem ins-Gesicht-urinieren mit laissez-faire Victoryzeichen, wenn man am Boden liegt auch noch eine Dankeskarte ausstellen?

Manchmal wenn Gemaux an einer Diakonie oder anderen karitativen Organisation angehörenden Werkstatt vorbeigeht, fragt er sich, wer eigentlich der Irre oder geistig Benachteiligte ist…..





Höchststrafe

5 03 2008

Es gibt für den Gemaux eine Höchststrafe im partnerschaftlichen Zusammenleben. Diese hat sogar einen Namen und wurde in Schweden erfunden. IKEA. Nicht nur, dass sich der Gemaux seit mittlerweile 1,5 Jahren mit der Grundsanierung/-renovierung einer Wohnung in einem Bauernhaus von 1831 befasst. Nein, nachdem die Höhle nun ausgefegt, ausgebaut und mit frischen Wandmalereien verschönert wurde- muss sie ja auch noch hergerichtet werden. Frische Tierfelle würden Unbill bei den örtlichen Tierschützern sorgen und die Mädels vom Tierheim würden auch etwas pikiert sein, wenn man kontinuierlich auftaucht und unverbindlich nach Bernhardinern, großen Katzen und Kaninchen fragt.

Die meisten Möbel hat man ja auch schon erstanden, dass erspart zumindest die Herausräumorgie aus dem vorher bewohnten und nun zu kleinen Backhaus. Und für die Accessoires gibt es einen Wallfahrtsort für die dekoratorisch nicht ganz unbedarften Frauen. Eben das blaue Höllentor mit der gelben Aufschrift.

Da ich aber nicht alleine leiden wollte, wählte ich nicht den naheliegendsten Höllenpfuhl sondern einen der eine etwas längere Autofahrt beinhaltete. Sollte sie wenigstens mitleiden auf der Fahrt. Passend wäre AC/DC im Radio gewesen. Aber man kann nicht alles haben und Gitarrensaitenmördermusik kommt mir nicht auf die Festplatte.

Also hinein ins Nippesparadies. Die kleine Haussirene frohlockte schon beim Eingang ob des zu betretenden Märchenwaldes, Smäland genannt.

Leider erst für Kinder ab 3 Jahren. Schien aber auch insgesamt nicht der Bringer gewesen zu sein, weil alle 5 Minuten der Kevin-Lars-Paul oder die Hellen-Jeany abgeholt werden wollte.

Und so liess sich der Gemaux auf den Höllentrip ein und folgte sorgsam den geschickt angebrachten Bodenmarkierungen. Immer begleitet von dem freudigen “ Schatz, das wäre doch auch eine nette Idee!“
der Ehefrau und dem Quietschen des Nachwuchses bei all den bunten Sachen. Das Ganze wurde von einem passenden Soundtrack untermalt. Jeder Horrorfilm hat seine passende Musik. In meinem Fall war es Bon Jovi.

Um das erste Wickeln der Knödellieferantin kam ich noch herum. Was eventuell ein Segen ist. Nun waren wir ziemlich spät dort und fielen auf die falschen Versprechungen und Einflüsterungen der Großmutter des Teufels herein, die da lautete:“Abends keine Lust mehr zu kochen? Heute in der Cafeteria Schnitzel mit Champignonrahmsauce und Pommes Frites nur 5,90€“

Welch glücklicher Umstand dachte sich Gemauxens Frau und auch der Gemaux selber frohlockte in Erwartung der guten Schwedischen Kost.

Einmal Bandnudeln mit Schweinegeschnetzeltem für das Weib und den Nachwuchs und einmal Hähnchen mit Wildreis für den Erzeuger.

Die Gläser zum immer wieder Nachfüllen bereitgestellt und einen Becher Kaffee dazu und los geht’s.

An der Warmhaltetheke angekommen, wird man begrüßt von einem griesgrämigen verwachsenen Dämon mit slawischen Akzent und ziemlich unhöflichem „Das Ende der Schlange ist aber da!“. So sieht gelungene Integration also aus, denkt sich Gemaux und fragt ob es ein Problem darstellt, wenn man von zwei Seiten hierauf treffen kann und somit nicht klar ersichtlich ist, wo jetzt genau das Ende ist. „Ihre Seite ist die Kuchentheke“ schallt es hinüber und ich Gemauxens Halsschlagader schwillt schon leicht an.

Damit der Nachwuchs auch abgelenkt ist, hat IKEA auch beim Essen für die Kleinen gesorgt. Kaum ist das Mahl aus Pappe- artigem Reis und Plastik-Hühnchen   eingenommen, da fragt die holde Angetraute ob man die Nudeln noch aufessen möchte. Die ersten Bilder die beim Schnüffeln an dem Geschnetzelten auftauchen beinhalten ein Wildschweingehege mit viel grunzendem Inhalt und kürzlichem Regenguss. Könnte aber auch daran liegen, dass Wildschweine nach Maggi stinken. Oder das Liebstöckel (also das Maggigewürz) nach Wildschwein stinkt. Also lehnt Gemaux erst einmal ab und wendet sich der spielfreudigen Tochter zu um seine Aufsichtspflicht nicht zu vernachlässigen.
Als man sich abwechselt zur Beaufsichtigung kann ich gerade noch einen osmanischen Sprössling davon abhalten, dass er nach der Apfelschorle meiner Frau sich auch noch den Nachtisch meiner Tochter einverleibt. Mit etwas härterem Griff schnappe ich mir das Bürschchen und suche nach der Mutter, oder zumindest einer Aufsichtsperson die bekannt ist mit dem kleinen Mundräuber. Wie durch Zufall meldet sich natürlich keine und nach einer Ermahnung und ziemlich deftigen Flüchen auf Türkisch schicke ich den erbleichten Jungen von dannen.  Man hat sich ja angepasst.

Soviel zum entspannten Einkauf.

An der Kasse das ewige Drama. Und ein leichter Duft. Die Ikea-Kost scheint eine durchschlagende Wirkung zu haben. Zumindest bei meiner Tochter. Und der ein oder andere ist auch schon leicht grün um die Nase. Also war es doch die Bestrafung für Völlerei die dort vollzogen wurde. Gemaux schnappt sich die Kleine und verschwindet samt Wickelsachen Richtung Männerklo. Denn dort hängen auch Wickeltische. Praktisch. Und verwirrend.

In den 5 Minuten Wickeln drehen sich genau 6 Männer mit rotem Kopf auf dem Absatz herum und gehen wieder, weil sie denken, sie sind falsch. Eigentlich wollte der Gemaux aus dem neu gewonnenen Spaß noch mehr heraus ziehen und einen der Eintretenden bitten ihm kurz zur Hand zu gehen. Aber Gemauxens Töchterchen macht schon wieder Randale und möchte weitergehen, also verlasse ich die Örtlichkeit nach erfolgreicher Säuberungsaktion in Arschstinkistan.

Und auf dem Rückweg lief im Radio Stairway to heaven.

Passte dann auch wieder.

Schöne Woche wünscht Gemaux