Guck mal Mami, ein Emo

28 04 2008

ich wollte dich nur mal darauf aufmerkam machen das nicht alle emos deprisiv sind und das sich nicht alle ritzen wer sich ritzen will findet immer einen grund und wer es nicht will der macht es auch nicht!!!! emos zeigen ihre gefühle offen und das hat nix mit depressiv zu tun!!! und alle die bilder die alle so im internet sehen und so toll finden sind auch emo haft denn si e zeigen gefühle also sollen die leute emos nicht verarschen ich sage nicht das du das tust aber ich wolte as hier mal klar stellen …………naja………………ich hoffe du antwortest mr …………….am besten du schikst mir ne e-mail……..denn ich weiß nicht ob ich deine seite wieder finde =D.naja liebe grüße

Diesen repräsentativen Kommentar fand Gemaux auf einer Seite, die den Gemaux neidisch macht. Denn die Klicks steigern sich, sobald jemand in seinem Blog die Wörter Ficken, Emo, Schwul, Gay oder sonstigen Augen glasig werden lassenden Wortlaut verwendet. Viele Seiten spielen so bewusst mit diesen Worten, dass man schon annehmen möchte, dass ein krankhaft gesteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis vorhanden ist. Wobei das ja bei jedem Blogger latent vorhanden sein muss. Also zumindest der Gemaux hat schon gerne etwas Aufmerksamkeit.

Allerdings versucht der Gemaux ja immer einen gewissen Standard zu wahren. Dieser beinhaltet zum Beispiel boshaften Sarkasmus oder plumpe Ironie. Aber immerhin, auf einem wie ich finde durchaus gutem Niveau.

Emo ist da anders. Auch wenn die Emomädels und Ritzejungs das gerne anders sehen würden. Emo versucht gar nicht erst in die Tiefe zu gehen. Das sieht man schon an den Klamotten. Früher bezeichnete man schlecht bekleidete überschminkte Mädels als Damen des horizontalen Gewerbes, wenn sie aus einem Gebäude herausschauten. Heute nennt man sie Kunden bei New Yorker und Pimkie. Hinzu kommt das Unvermögen sich gut und verständlich auszudrücken.Wie man oben sieht. Das arme Mädchen möchte gerne nur darauf hinweisen, dass es seine Gefühle offen zeigen will. Wobei das Einzige, was die meisten Emos in Foren zeigen, ist ja, das die Schule sehr hart ist-Lernen erst recht.

Es gibt in Foren und beim online kommunizieren ein sonderbares Phänomen. Je debiler der Schreiber, desto mehr Ausrufe-/Fragezeichen am Ende und weniger Kommata im Satz.

Welche Gefühle zum Beispiel? Das Gefühl, sich vom „Mainstream“ abheben zu wollen durch eine Melange von Kleidungsstilen, verschiedenster „Anderssein“-Moderichtungen? Oder das Gefühl der völligen Ohnmacht seine Gefühle anders auszudrücken als mit den „iconosierten“ Gefühlsregungen unserer japanischen Fabrikzeichner? Wer mit den Strichmännchenmangas a la Dragonball aufwächst kann ja gar nicht wissen, dass es Gefühlsbekundungen auch abseits von infantilen Zeichnungen geben könnte.

Und wenn das Bewusstsein entsteht, dass man bei allem „Abheben vom Mainstream“ sich nur wieder in einen anderen Standard verpflanzt, dann entsteht das Bedürfnis nach Gewalt? Gut, nicht gegen andere. Emojungs sind ungefähr so gefährlich und beeindruckend wie eine Portion VanilleVla. Denn bei aller Moderne in der wir uns bewegen, zählen immer noch genau dieselben Instinkte, die uns vor ein paar tausend Donnerstagen vor Säbelzahntigern gerettet haben. Und die sorgen nun mal eher auch dafür, dass man bei Emos eher Mitleid mit den armen traurigen total emotionalen geschminkten Jungs hat und sie maximal mit Watte beschmeissen will. Obwohl sie selbst dann unter der immensen emotionalen Gefühlslast zusammenbrechen.

Der Gemaux forscht weiter nach dem Phänomen. Versprochen, total offen und ehrlich.





Hooters, die etwas andere Pommesbude

25 04 2008

Nicht alles, was aus Amerika zu uns gelangt, ist es wert hier kopiert zu werden. Das fängt bei einigen kleinen Ideen der Finanzbankrotteure an und hört bei einigen Errungenschaften der Gastronomie auf. Burger zum Beispiel sind ein netter Ideenimport. Oder Autos. Oder Motorräder. Oder die Musik aus einer Kleinstadt namens Philadelphia. Das sind alles Dinge die nett sind, aber nicht allzu viel Schaden anrichten. Denn der Amerikaner an sich, zumindest derjenige, der gerne auch mal andere News als ABC sieht und weiss, dass wir hier in Deutschland seit 63 Jahren nicht mehr reflexartig den rechten Arm heben, sobald ein österreichisches schwules Männlein vorbei trottet, ist nett.

Nachdem wir nun erfolgreich Burger King und McDonalds in unsere Gastronomie integriert haben und nachdem auch noch der letzte illegal eingereiste Singalese sich seine Passage in einer Pizzeriaküche verdient, kam die „Marke“ Hooters zu uns ins Revier. Was haben sie ein Aufheben um den Laden gemacht. Feministinnen liefen Sturm und rauften sich die eh schon kurzen aubergine/knallrot gefärbten Stoppeln die sich über die erste Nackenrolle ausbreiten und zerrissen mit Klagegeschrei ihre ökologisch wertvollen 1Weltladen Baumwollkittel in tieflila.

Falls der Leser nicht weiß, worüber ich spreche, hier die Erklärung. Das Hooters bedient die Grundbedürfnisse der amerikanischen Männer. Sportfernsehen, Bier in Pitchern (Literkrüge), Billigburger und knapp bekleidete, dick busige Mädels die pseudo sportlich in jeder Stunde die Bälle springen lassen. Also ihre eigenen. Nun mag es damit zusammenhängen, dass der Gemaux so langsam alt wird. Aber wenn ich schon Ausgang habe, dann will ich in Ruhe etwas Essen, mir vorbeigehende Mädels anschauen und mit meinen Kumpeln dummes Zeug labern und das alles bitte in ansprechendem Interieur.

Was uns an dem Abend im Hooters erwartete, sah so aus…

Wir betraten das Hooters im Bochumer „Bermuda3eck“ (eine Ansammlung von Kneipen, Clubs, Bistros, Programmkinos, Kleintheatern) in der Erwartung eines amerikanischen Diners mit sportliche bekleideten Bedienungen. Am Eingang wurden wir von der eher schlecht deutsch sprechenden Südostasiatin in den hinteren Bereich des Lokals bugsiert. Die Einrichtung war……grenzwertig. Sie machte den Eindruck, als ob der nächstgelegene Baumarkt seine Sonderangebote und Regalhüter endlich absetzen konnte. Billiglaminat auf dem Fußboden, damit die Hupfdohlen- die auch fast wie Cheerleader aussehen- sich keine grösseren Rutschverletzungen zuziehen. Ein paar lieblos an die mit billigem Fichtenpaneel verkleidete Wand geklatschte wahnwitzig witzige Spruchschildchen (This Sign is in spanish, when you are not looking) durchsetzt mit Fotos der amerikanischen Promigäste in den einzelnen Hootersläden im Bushland. Das Interieur entsprach wahrscheinlich genau der Wunschvorstellung der zu 80% anwesenden Klientel. Jungen und postadoleszente Pickelbacken und Studenten mit zuwenig Geld für eine richtige Tittenbar oder einen Stripclub. Hinzu kamen 15% halbwegs erwachsener „Männchen“ denen man ansah, dass der letzte (und wahrscheinlich einzig machbare) Sex, den sie hatten, sehr viel teurer war, als am Fenster vereinbart. Die potentielle Zielgruppe von Thailandreiseveranstaltern und Heiratsvermittlungskatalogen. „Oben bei Mutti“ kommt mir immer in den Sinn, wenn ich solche Flachpfeifen sehe.

Man merkte deutlich, dass hier nur ein Ziel verfolgt und erfolgreich erreicht wurde. Durch Möpse verkaufen.

Die, zugegeben, leckeren Bedienungen arbeiteten dann auch eifrig daran ihr durch den Laden vermitteltes Bild vom leicht dümmlichen Blöndchen noch zu vervollständigen. Das Konzept geht voll auf. Gemaux mochte sich gar nicht vorstellen, bei wie vielen der Schnellspritzer die Mädels nachts im Bett als Vorlage herhalten mussten. Falls sie noch dazu kämen, denn angetrieben durch tief ausgeschnittene Dekolletés bestellten jene wie blöde eine Runde nach der anderen.

Zeit die Karte zu testen, bzw. dass was darauf angepriesen wurde. Den Namen unserer Bedienung konnte ich nicht herausfinden, weil ihr Schild auf der mir abgewandten Tütenseite prangerte und sich somit kein Sichtwinkel ergab. Aber ihre Augen waren blau. Und aus dem Mund kamen nur englische Worte. Huppsa dachte ich bei mir. Das wird die „Bauer sucht Sau“ und „Das Model und der Freak“ Castingbewerber hier aber bestimmt verwirren. Wir bestellten einen Burger mit Fritten und Bier. Stilecht. Als wir fertig waren, also als jeder dreiviertel verspeist hatte und plötzlich Sättigung vorgebend zur Zigarre griff, räumte unsere nett lächelnde Bedienung mit den Grübchen am Mundwinkel den Tisch ab und mit der Frage ob es uns geschmeckt hätte- worauf mir mit einem nickenden Ausatmer ein „pure crap“ entwich. Was sie zu noch grösseren Augen und einem enttäuschtem „really?“ brachte. Ich bejahte noch einmal und sagte ihr auf englisch, dass der einzige Vorteil hier dran gewesen wäre, dass McDonalds teurer wäre, bei gleich beschissenem Geschmack. Wobei beim goldenem M und dem anderen Pattywender wenigstens die Einrichtung ansprechender ist und nicht wie die Gartenlaube eines Katzen quälenden Bettnässers aussieht.

Was sie kichern ließ. Schien sie also verstanden zu haben. Was mich zu der Erkenntnis brachte, warum sämtliche weiblichen Gäste, die das Lokal betraten (egal ob in männlicher Begleitung oder ohne), den Saal nach grob geschätzten 4 Minuten verließen. Wer will schon die ganze Zeit sehen, dass da geilere Figuren als der eigene Pferdearsch mit ebenso viel Hirn bedienen. Ich würd’ als Mann ja auch nicht in ein Chippendales Restaurant gehen. Oder doch, ich würds mir zumindest für ein zwei Stunden antun und die Mädels beobachten wie sie von „bin keine Frau für eine Nacht!“ zu geifernden Furien mutieren die nur noch Ärsche und Waschbrettbäuche sabbernd betrachten und begrapschen wollen.

Frauen sind da ja konsequenter. Während es sich der verklemmte Fuzzi nie zutrauen würde, eine der Hooters Bedienungen anzugrapschen, meinen Frauen ja direkt immer zugreifen zu müssen. Insofern haben es weibliche Bedienungen da deutlich leichter. Und Gemaux weiß wovon er spricht, denn er musste so manches Mal an Weiberfastnacht in seiner Jugend in einer Szenekneipe kellnern.

Um den Abend einigermaßen zu retten, beschlossen der Gemaux und seine beiden Kumpels direkt nach nebenan in ein Cafe zu wechseln und die restlichen Stunden dort zu verbringen und auf dem Heimweg noch frisches Sushi für den nächsten Tag mitzunehmen.

Fazit: wenn Sie es billig und eklig mögen und Ihnen die Bildzeitung mit der ersten Seite schon wie ein Roman vorkommt…sind sie im Hooters genau richtig. Allen anderen empfiehlt sich der kurze Blick in den Laden und evtl. ein Bier. Einen ganzen Abend sollte man dort nur unter Drogen verbringen, wenn einem eh alles scheißegal wird.





Leben und andere Schwierigkeiten

14 04 2008

Manchmal zeigt einem das Leben den Mittelfinger. Manchmal deutet es nur ganz subtil an.

Denn neulich war Gemaux mit Frau und Kind im Altersheim mit der Grossmutter vom Gemaux.Gemauxens Oma ist dort nicht stationiert. Da schmeckt einfach der Kaffee so gut und die Törtchen sind günstig. Außerdem kann sie ihren Schwager dort noch besuchen, der nach dem 3408234ten Schlaganfall nur noch liegend vegetierend vorhanden ist und dessen Frau immer noch täglich am Bett erscheint. Dieser Mann war in seiner Jugend Boxer, Seemann, Stahlarbeiter und immer nett. Er überstand die ersten 4 Schlaganfälle mit Bravour. „Der Schmeling stand auch immer wieder auf“ und lernte danach wieder rudimentäres Sprechen und Bewegen. Ab und an blitzte es in hellen Momenten wohl und er fand wieder zur alten Kondition zurück. Nach dem ersten Anfall schaffte er sogar noch eine goldene Hochzeit (inkl. einer „Wiederholungsheirat“). Als dann der zweite und dritte Anfall ihre Tributforderungen stellten, entschloss man sich, ihm einen schönen Platz in einem Altersheim zu verschaffen. So sassen nun drei Generationen (wenn Gemaux die Cousine seiner Mutter dazu rechnet, sogar 4) an dem Tisch in der Cafeteria des Altersheim und verspeisten frische Waffeln und Kännchenkaffee. Und wie die kleine Stammhalterin des Gemaux so ihre Runden durch den Saal dreht, kommt dem Gemaux der Gedanke, dass es da eine Menge Parallelen bestehen.

Just als sie neben einer alten Dame zu stehen kommt, wird es quasi Betonpfahl winkend deutlich.
Links Alt – rechts Neu.
Links wenig Haare- rechts wenig Haare.

Links nur noch einige Wörter – rechts erst einige Wörter.
Links wenige eigene Zähne- rechts wenige eigene Zähne.
Links unbeholfene Bewegungen – rechts unbeholfene Bewegungen.

Das Leben endet wie es beginnt. Sabbernd und brabbelnd mit Windeln und Gehhilfe. Dazwischen gibt es dann das was man fürs Arbeiten draufgehen lässt. Und solche Nettigkeiten vom Schicksal wie die Diagnose: Krebs. Die wurde bei der Frau vom Gemaux vor nun 5 Jahren diagnostiziert. Aufgrund eines Check-ups beim Arzt zwecks sportlicher Betätigung und Straffung der Laufwerkzeuge. Ein B-Zell-Lymphom, der so genannte Non-Hodgkin. Niedrig maligne blieb er nach Entnahme der aufs 10fache angewucherten Milz. Mittlerweile ist das anders. Mittlerweile läuft der 5. Chemovorgang von insgesamt 8 Sitzungen. Nach den 14-täglichen Chemotherapien liegt es am Gemaux, seine Frau wieder auf Kurs zu bringen und sie abzulenken von den Geschichten die ihr im „Tropf-Raum“ erzählt werden. Das fällt dem Gemaux nicht schwer, denn die schon mal zur Vorsicht abrasierten und nun doch so stark ausfallenden Haare findet der Gemaux sensationell und sexy. ABer er muss seine Frau auf andere Gedanken bringen und ablenken von den Horrorgeschichten.

Von denen die schon tot sind oder dies und das nicht mehr können. Es ist ein Raum von Schauergeschichten und pseudohilfreichen Ratschlägen, die irgendwann von irgendwem beim Gespräch mit irgendjemandem gehört wurden. Da hilft auch kein demonstratives Aufsetzen von Kopfhörern um zu zeigen: Ich will euch nicht zuhören. Die vornehmlich alten Damen quasseln einfach weiter. Es ist, als ob das Lamentieren über die Gebrechen und Krankheiten den alten Leuten zeigt, dass sie noch leben.
Sozusagen: ich leide – also bin ich.
Nur eine ganz alte Dame mit einem Blutkrebs zeigt eine Seite die auch anders sein kann. Sie redet nicht über Tod, denn der steht eh bei jedem von uns vor der Tür und an ihn kommt man sicherer, als an anderer Leute 5 €. Sie redet über das Leben. Über ihr eigenes aktuelles. Über das vergangene. Über das der Kinder und Enkelkinder.

Der Krebs schwindet bei meiner Frau, und wir sind uns sicher, dass er für einige Zeit wieder fort ist und sich in den Tiefen des Rückenmarks verkriecht. So lautet zumindest die Diagnose von „Professor Hastig“-Prof.Dr. Kloke. Ein Mensch, der sagt was Sache ist und nicht versucht einfühlsam zu sein. Der die Tatsachen schonend aber sachlich vorträgt und damit Klarheit schafft. Denn die andere Seite macht seltsamerweise und -so paradox es klingen mag -Angst. Die, wenn ein Arzt rumdruckst und versucht empathisch zu reagieren. Das vermittelt unweigerlich den Verdacht, dass bei der nächsten Untersuchung schon ein schwarz gekleideter Mann daneben steht und mit einem Maßband und Holzartenmustertafeln hantiert. So kann man sich darauf einstellen und innerlich gefasst an die Behandlung herangehen. So kann man auch Leben in die Welt setzen obwohl einem aus medizinischer Sicht davon abgeraten wurde. Und dieses Leben sieht so aus und macht dem Gemaux (mit seiner Frau natürlich) in seiner Eigenschaft als Vater und Hausmann seit fast 2 Jahren nun Freude und Erfüllung.