Der Spiegel im Spiegel

22 07 2008

Der Spiegel befasst sich in seiner neuesten Ausgabe ausgiebig mit dem Bloggertum in Deutschland. Und fasst als Kernaussage zusammen, dass Blogger in Deutschland eigentlich nur Oberlehrer sind. Und zwar polemische.

Diese Aussage stimmt soweit. Wenn man da nicht beim Lesen des Artikels sofort die Assoziation haben würde, dass man in einer Soziologie-Vorlesung zum Thema Stereotypen direkt einen großen Spiegel an den Eingang des Hörsaals gestellt hätte.

Da wird die Bloggergemeinschaft in den USA in den höchsten Tönen gelobt, weil sie Meinungsmacher sein sollen und als solche auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das dort auch polemisierend getippt wird, fällt bei dem weiteren Lesen des Artikels nicht so ins Gewicht. Zumindest nicht bei den Journalisten, die sich für den Artikel verantwortlich fühlen.

Nun könnte man sagen, dass alles was elektronisch/digital erzeugt wird in Deutschland eh nicht den  Stellenwert besitzt, den das Internet und Computer im Allgemeinen in dem Rest der Welt besitzen. Denn der Deutsche und hier die Medien allgemein verlangen immer noch Handfestes. Und sei es nur das Papier auf dem die gedruckte Meinung steht. Der Deutsche muss etwas sprichwörtlich “begreifen” können um es für voll zu nehmen. Alles andere wird als Randgruppenerscheinung wahr-, aber nicht ernst genommen. Stichwort E-Sports. Die Politik verbietet Spiele die in anderen Ländern mittlerweile für Millionenumsätze in der Werbung sorgen. Klar, dass diese Länder auch so etwas wie Bloggen für voll nehmen. Und annehmen.

Die Spiegelredakteure haben schon recht, wenn sie bemängeln, dass es außer Bildblog es nur noch Randnischenblogs gibt. Weil sie selber dafür sorgen, dass Altpolemiker wie Herr Broder mit ihrem letzten Rest verstaubtem Bildungsbürgertums sich noch äussern dürfen. Alles andere wird eher milde belächelt. Insofern schliesst sich der Kreis doch wieder zum Oberlehrer. Der Spiegel nimmt sich heraus, das Bloggertum in Deutschland zu bemängeln-durchaus legitim- aber haut dann mit derselben, von ihnen vorher angekreideten, Keule wieder drauf.

Das Bloggen in Deutschland wird zurecht als ein Sammelsurium von nationalen Stumpfköpfen wie politcally incorrect, sueddeutsches Patrioten-Idioten-Forum, spd-verbot-jetzt-Gehirnfasten.de und anderen bezeichnet (Bewusst falsch geschrieben und nicht verlinkt um die Zulaufzahlen auf diese Sondermüllgedanken nicht zu erhöhen).

Schlimmer sind da nur die Mütterblogs in denen frischgebackene Akademikerinnen ihre natürlichsten Verhaltensweisen analysieren und unter grosser Verwunderung das sie als Frauen das schaffen, auch die jämmerlichsten Banalitäten aus der Brutaufzucht zu Pixeln bringen.

Bloggen bedeutet auch zuviel nachzudenken über Banalitäten und Oberflächlichkeiten. So wie Herr Broder das gerne macht. Der ja auch mal gerne vom Spiegel einen Scheck erhält. Aber das hat eben der Spiegel dann gedruckt und dafür gezahlt. Das steht nicht kostenlos in einer Plattform wie dieser.Und weil man für einen grauhaarigen Wichtigtuer der seine besten Jahre schon weit hinter sich gelassen hat und nur noch Verkrampftes von sich gibt viel Geld bezahlt hat, muss das zwangsläufig richtiger und wichtiger sein, als das was in freiem Raum fabriziert wurde.

Keine Bange, ich bleibe trotzdem Abonnent, empfehle aber durchaus mal den Blick ausserhalb der TopTen bei WordPress und wie sie alle heissen. Da sind manchmal echte Perlen versteckt in dem grossen Haufen aus brauner Scheisse, Windeln und Oberflächlichkeit.


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Eine Antwort

24 07 2008
specialartist

Hallo Gemaux,
habe mich gerade köstlich über deinen post amüsiert – obwohl mich der Spiegel so gar nich’ interessiert. Ich weiß aber auch nicht, was mit der blogworld in Deutschland los ist und treibe mich lieber in der englisch sprachigen herum. Das ist wesentlich amüsanter und interessanter, weil die’s nämlich nicht so eng sehen…

Grüße aus München, Pe

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