Altholz und haus

27 04 2009

Es ist Montag.

Und nein, der Gemaux hat den Spiegel noch nicht durch.

Viel interessanter fand der Gemaux in der vergangenen Woche zwei Dinge. Zum einen den thüringischen Ministerpräsidenten Althaus.

Sie erinnern sich. Der besoffene Staatsdiener, der mal eben die Mutter eines 1-jährigen Sohnes auf der Skipiste flach gelegt und dadurch getötet hat. Weil er im Suff auf der anderen Seite der Piste ausgleiten wollte. Kunststück; bei Alkohol im Blut kann auch so mancher Autofahrer nicht mehr richtig bremsen und schlittert schon mal in andere Verkehrsteilnehmer. Die müssen dann meist aber die Fahrerlaubnis abgeben und mit empfindlichen Strafen rechnen. Anders der Herr Althaus. Nicht nur das. Durch seine unverantwortliche Tat belastete er auch unser Sozialsystem mit den nicht unerheblichen Kosten einer Schnell-Rekonvaleszenz. Beihilfe und PrivatKV sei Dank.

Nun schreibt der gute und ehrgeizige Herr Althaus, dass er sich seiner juristischen Schuld bewusst ist. ….Fahrlässige Tötung……

Schlimm genug, dass er diesen Vorfall verschuldet hat, aber was in Gemaux Augen und seinem Frontallappen schwerer klingelt ist die Tatsache, dass er seine Schuld abwiegelt. Wie machtgierig und –geil kann ein Mensch werden, dass er sich nicht dahin stellt bei eindeutiger Beweislage und sagt: „Ich habe diesen Fehler begangen, ich werde die Allgemeinheit entscheiden lassen, ob ich die richtige Person für eine derartige Position wie der meinen bin.“ Natürlich steht die thür. CDU hinter ihrem Dieter Althaus. Würden sie ja auch alle den einträglichen Sitz räumen müssen, wenn er sein Amt zur Disposition-sprich Neuwahl- legen würde. Die Tatsache, dass er einem Mann seine Frau und einem Sohn seine Mutter genommen hat tangiert den sauberen Herrn Althaus nur juristisch. Laut eigener Aussage. Damit reiht er sich nahtlos in die ganzen Machtversessenen ein, die auch im Zuge der Wirtschaftskrise noch auf ihre Boni beharren, und auch weiterhin als parasitäre Individuen ihr Dasein pflegen wollen. Sie merken, wie dem Gemaux die Halsschlagader schwillt. Kein Fünkchen Reue oder Gewissen erkennbar, im Gegenteil. Noch großkotzigeres Auftreten in der Öffentlichkeit.

Die zweite Sache, die dem Gemaux aufgefallen ist, ist die Folgende:

Im Winter und Frühjahr wurden an bewaldeten Straßen -zumindest in NRW- vermehrt Bäume am Strassenrand bis zu einer Breite von knapp einer Baumlänge an allen stark befahrenen Straßen ab gesenst. Früher ging der Gemaux aufgrund seiner beruflichen Vorgeschichte von der sogenannten Lichtraumprofilbereinigung aus. Bedeutet: Damit die Straßen schneller abtrocknen bei Regen und Schnee werden die Bäume an der Straße ab geschnibbelt, um es der Sonne zu ermöglichen ungehindert von Baumkronen auf den Asphalt zu knallen.

Nun wundert es den Gemaux nicht, dass das meiste Holz liegen bleibt oder geschreddert wieder auf die Böschung geblasen wird. Es kann ja nicht verkauft werden. Die Schadstoffbelastung in Holz und Rinde wäre zu immens für eine Verarbeitung zu Spanplatten oder Brennholz. Aber ein Assekuranz-versierter Kollege des Gemaux erzählte folgenden Fall:

Durch eine neue Verordnung muss ihre Versicherung nicht mehr gerade stehen, wenn ihnen bei der Fahrt durch sturmgeplagtes Waldgebiet ein Baum aufs Dach scheppert und sie und ihr Fahrzeug evtl. Schaden davon tragen. Höhere Gewalt nannte man das, glaubt der Gemaux zu wissen. Sondern die Versicherung des Grundstückinhabers auf dem der fallende Baum stand. Und die wollen sich das natürlich nicht bieten lassen, dass so etwas wie ein Klimawandel-verursachtes Ereignis die Bilanzen schmälert. Denn den Versicherungen ist auch klar, dass es in Zukunft zu stärkeren und häufigeren Stürmen kommen wird. Auch klar ist, dass die Versicherungen sich dafür verstärkt dann beim Waldbesitzer bedienen werden, sollte es zu einem versicherungspflichtigen Windwurf kommen. Schöne heile neue Welt. Da man es den Bäumen nur selten ansieht, wie es in ihnen aussieht, außer es sind schon etliche Kreuze auf die narbige Rinde genagelt, werden vorsorglich alle gefällt. Und die vorhandene Biomasse wird dann in MVAs verbrannt oder in Heizkraftwerken. Die suchen übrigens ständig mittels Brennwertanalysen von örtlichen Mülldeponien nach neuen Zusatzbrennstoffen. Kohle und Öl ist halt zu teuer geworden. Obwohl sie uns noch weiß machen, dass jede neue Preiserhöhung mit der Anhebung der Rohstoffpreise zusammen hängt. Dabei werden schon mittlerweile wieder alte Halden geöffnet um sie anzunagen. Oder glauben sie der ganze Kunststoff aus der gelben Tonne wird komplett recycelt?

Schönen Wochenanfang

Gemaux





Meisterstück Lohn

24 04 2009

Die Schlagzahl des Gemaux lässt rapide nach wie der geneigte regelmäßige Leser bestimmt schon gemerkt hat.

Das hängt nicht unwesentlich mit dem Abtreten des verehrten Schwiegervaters zusammen. Denn seit dem der Gemaux sozusagen der Herr auf dem Hof ist, wuchs das Arbeitspensum rapide zu Lasten der durchgängigen Onlinezeit.

Nun ist der Gemaux handwerklich nicht unbegabt. Allerdings sieht er (der Gemaux) sich eher als Mann fürs Grobe. Abbrucharbeiten, Holzfällen, schweres Schleppen das ist sein Metier. Psychologisch korrekt werden diese Tätigkeiten mit „Training“ einsuggeriert und schon geht’s los.

Der leise Verdacht -sich hinterrücks an Gemauxens Schädelfrontlappen anschleichend-, dass mit dem naturgemäßen Weggang des oben genannten Familienmitglieds sozusagen der Kit, der den Hof zusammen hielt, auch verschwunden ist, springt mittlerweile mit lautem dämonischem Gelächter alle anderen Hirnbereiche an.

Als Erstes segnete das Heizungsrohr das Zeitliche. Akuter Lochfrass würde der bärtige Calgon-Handwerker attestieren. Ein Rohr auszuwechseln fiel noch in Gemaux’ motorisch machbaren Rahmen. Zur Sicherheit nahm er sich die Hilfe des Gas-Wasser-Scheisse-Freundes dazu. Ein Kaminbrand wäre unschön geworden.

Dann fällt die Lichtanlage langsam aber sicher aus. Auch kein Problem. Aber eine Sache mag der Gemaux auf den Tod nicht leiden. Streichen. Und da nun das Dachgeschoss im 1831er Bauernhaus auf der Liste steht, damit der Nachwuchs endlich aus dem elterlichen Schlafzimmer verschwindet, frug er nach den Preisen bei den Handwerkern nach. Erst nach den Offiziellen. Nach den genannten Zahlen schluckte Gemaux kurz und verabschiedete die Handwerksmeister mit: „Danke für dieses Gespräch“. Effektive 30qm Wandfläche mit Türen durchsetzt und zu überstreichenden Holzpanelen sollten „freundschaftspreislich“ 1200 Euronen kosten. Exklusive Material.

Also werden die üblichen Wochenanzeiger durchforstet. Dort bot sich ein Maler an. Den kontaktiert und er erschien auch gleich zur Ansicht. Ohne Rechnung sollten auch hier 1000 Euro fällig werden. Dabei wollte der Gemaux schon aufs Lacken verzichten. Nach den Preisen fürs simple Teppichverlegen traute der Gemaux sich dann mit Rücksicht auf seine nerven nicht mehr zu fragen. Also doch wieder „Dappajaja-YippiyippiYeh“ schreien und zum Baumarkt fahren.

Ein Kollege des Gemaux wollte sich eine neue Küche leisten. Die Alte (lt. Selbstaufskunft nicht beide) heraus und den Boden neumachen für stylische Fliesen. Das erste Angebot für den neuen Estrich lief auf eine komplette Herausnahme des neu gelegten Estrichs heraus wegen stümperhafter Arbeit und anschließender Verleugnung des betreffenden handwerklich Versagenden durch seine Frau. Eine Mecklenburgische Buckelpiste war eine Autobahn im Vergleich dazu. Also ein Unternehmen beauftragt, welches sich noch einen Namen machen wollte in der Stadt und schwupp…ein perfektes Ergebnis. Nun wurde die avisierte Anlieferung der neuen Küche verschoben, weil zwar schon die Fliesen vorhanden waren, aber keiner der diese verlegen konnte. Zumindest nicht so wie es die Ansprüche korrekt verlangten.

Auch hier wieder die Preisanfrage. 12qm Fliesen verlegen für 25 €/qm. Bei 30×60cm Fliesengröße. Und das war der Preis eines Fliesenlegers im Ruhestand. Zwei Unternehmen haben komplett ab gewunken, weil ihnen der Auftrag zu minimal war. Leider ist der besagte Rentner nun mit etwas Anderem beschäftigt. Weil man sich ja eine Woche Zeit ließ für die Auftragsbestätigung.

Nun ist dem Gemaux bewusst, dass es dem Handwerk schlecht geht. Rechnungen werden nicht beglichen. Kunden verlangen Gewährleistungsarbeiten, die so richtig untragbar sind (das die dämlichen Kunden aber auch nicht mit dem im laissez-faire-Modus erreichten Ergebnis zufrieden sein können, undankbares Pack)

Liebe Handwerker. Ihr seid keine Ärzte. Ihr seid Handwerker. Der Gemaux will das Wörtchen „nur“ nicht benutzen. Aber irgendwie hat er den Eindruck, dass sich viele Handwerker auf ihren Gesellenbrief und den Meistertitel schon imaginär eine Yacht ausgesucht haben.

Es gibt viele gute Handwerksunternehmen. Der Sanitärbetrieb von Herrn Gertz in Nottuln gehört dazu. Adäquate Preise und kompetente Beratung. Sehr professionelle Auftragsausführung. Menschlich. Lobenswert. Die Bäckerei Küpper in Recklinghausen genauso.

Die Beispielliste ließe sich in goldenen Lettern fort führen, wenn es nicht immer wieder grenzdebile Dumpfschädel unter dieser Berufssparte geben würde. Fehlender Service, unrealistische Rechnungsstellung, bewusstes Unterschlagen von Steuern, mangelhaftes Arbeiten. Aber dazu dann wenigstens großkotziges Auftreten. So ähnlich wie die Regalputzfrauen bei Karstadt und anderen Modehäusern. Kompetenz und Sozialverträglichkeit wird da ähnlich vernachlässigt, wie die Bereitschaft dazu zu lernen, dass wir nicht mehr in den 60-70er Jahren leben, man selbst nicht das Maß der Dinge ist und der Kunde mittlerweile durch diverse „Haussendungen“ geschulter ist-sich also nicht mehr widerstandlos verarschen lässt. Gemaux dachte eigentlich, dass Handwerker den Begriff Dienstleistung und die damit verbundenen Anforderungen erlernt hätten. Bis er auf einen trifft, der Kunden nur für ein notwendiges Übel hält.

Hier liebe Handwerker ein elementarer Spruch aus dem Verkauf: “ Es kann drei Monate dauern einen guten neuen Kunden zu gewinnen, aber nur 3 Sekunden in denen man 10 verlieren kann.“ (wobei diese Zahl in Zeiten des Internets nach oben offen ist)

Gilt so ziemlich für jede Berufssparte. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Welle der wirtschaftlichen Auslese erst anrollt und noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt ist(Peak, liebe Finanzexperten- weil deutsche Begriffe ja mittlerweile auch schwer verständlich sind…wie das 1×1 und die Zinsrechnung zum Beispiel). Mal sehen, wer von diesen Betrieben, die der Gemaux nun beobachtet, nächstes Jahr noch am Markt ist.

Schönes Wochenende wünscht

Der Gemaux