Gemauxens erster Versuch sich schriftstellerisch zu betätigen.
Der Tag im Museum war für sie unglaublich langweilig. Die Gruppe ihrer Klasse befand sich gerade im Trakt der Bronzezeit. Sie hatte sich abgesetzt und schlenderte durch die schon fast leeren Museumsflügel. Im Mythologietrakt setzte sie sich auf eine Bank. Sollten sie doch alle der Museumsführung wie die Schafe hinterher schlurfen, für sie war es Zeit sich ein wenig hinzusetzen.
Das leise Summen der Klimaanlage für die Vitrinen, dieses unglaubliche Bequemlichkeit der im altenglischen Stil bezogenen Lederbank und die Wärme der Sonnenstrahlen die durch die hohen Fenster fielen, ließen ihre Augenlider immer schwerer werden.
Es war ein wunderschöner Mittsommertag, da draußen, und sie musste hier in diesem Vergangenheitslager versauern, dachte sie noch missmutig bevor sie einnickte.
Unsaft wurde sie von der Museumsdurchsage geweckt. „ Das Museum schließt in 5Minuten, bitte begeben sie sich zu den Ausgängen, wir danken ihnen für ihren Besuch und würden uns freuen sie bald wieder begrüßen zu dürfen.“ Der immer gleiche Text für die immer gleichen langweiligen Örtlichkeiten.
Sie räkelte sich und blickte sich schlaftrunken um.
Aus einer der hinteren Vitrinen zog ein blaugrünes Funkeln ihre Aufmerksamkeit durch die schlaftrunkenen Augen auf sich
Die Sonne stand schon sehr tief am Horizont, dass Museum musste seine Öffnungszeiten weit ausgedehnt haben und schien fast waagerecht durch die hohen Atelierfenster auf die Vitrinen.
Nur auf die Vitrine, aus der das Funkeln drang, fiel kein Sonnenstrahl, aber das bemerkte sie nicht, so faszinierte sie das Lichtspiel.
Langsam brach die Zeit zwischen den Zeiten an, nicht mehr Tag und noch nicht Nacht.
Die verschiedenen Kultgegenstände in den Vitrinen schillerten und funkelten in allen Farben. Durch die vielen eingelassenen Edelsteine, Quarze und Glasperlen schien sich der Saal in ein einziges großes Kaleidoskop zu verwandeln.
Die Vitrine, die ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte, stand in einer Ecke an einer dunklen Wand. Eigentlich hätte ihr auffallen müssen, dass in diesen Bereich keine Sonne fiel, beziehungsweise die Strahlen, die trotz allem so forsch waren sich hierhin wagen zu wollen, von anderen Vitrinen und deren Inhalt aus Leder, Stoff, Holz, tierischen und menschlichen Gebeinen aufgefangen wurden.
Ein verdrehter Stab, so wie man man Handtücher verdreht, der ziemlich als aussah und mit seltsamen eingeschnitzten Zeichen versehen lag in dieser Vitrine und das Funkeln ging von einem Moosachat und einem Saphir eingelassen an seiner gekrümmten Spitze aus.
Neugierig geworden, trat sie näher heran und besah sich den Stab genauer. Das Funkeln der beiden Edelsteine faszinierte sie, ja, es hypnotisierte sie so sehr, dass sie nicht das Leuchten bemerkte, welches von dem Diamanten am Fußende des Stabes ausging und sich langsam wie eine sanfte Decke an einem kalten Wintermorgen um sie legte.
Plötzlich fühlte sie sich sonderbar leicht, schwerelos gar und ein wohliger Schauer fuhr ihren Rücken entlang. Ein Kribbeln und ein sanfter Schauer lief ihre Wirbelsäule hinauf und hinunter, leicht wie Fingerkuppen.
Ihre Poren in der Haut schienen dem Licht als Trichter zu dienen. Es durchdrang sie, hob sie hoch und ließ sie sich langsam um die eigene Achse drehen.
Sie fing an sich immer schneller zu drehen, während sich das Leuchten verstärkte. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich von totalem Glücksgefühl zu völliger Erschlaffung, als sie ihr Bewusstsein verlor und ohnmächtig wurde.
2
Und dann stand sie auf einer kleinen Lichtung mitten in einem Wald.
Das Letzte was sie wusste war das Leuchten, also konnte ihr erster Gedanke von den Gasen, die das Museum zur „Übernachtkonservierung“ durch die Lüftung blies und ihr einen Trip verschafften nicht stimmen.
Auch ihre Kleidung entsprach nicht mehr dem, was sie gemeinhin als modisch betrachten würde.
Hatte sie vorher noch ziemlich stylische und lässige Klamotten getragen, trug sie nun ein knöchellanges altweisses Kleid. Allerdings bestand es aus dem feinsten Leinen, was sie jemals in den Fingern hielt. Es saß perfekt und schmeichelte sich bei jeder Bewegung an ihre Haut.
An der Taille wurde es gerafft und gehalten von einem Gürtel aus weichem Wildleder mit einer einfachen Schnalle aus Bronze. Aus demselben Leder bestanden ihre neuen Schuhe, allerdings waren sie eher mokassinähnlich und garantiert nicht mehr von Enrico Protzetti und kosteten bestimmt auch keine 150 Euro. Dafür waren sie höllisch bequem. Durch die verstärkte Ledersohle spürte sie den moosbewachsenen Boden, die Blätter und kleine Zweige.
Soweit beruhigt, oder eher beunruhigt, sah sich in ihrer Umgebung genauer um.
Das wenige Gras auf der Lichtung duftete intensiv. Fast meinte sie das es irgendwie grüner war, als das Gras welches sie normalerweise zum Sitzen oder Vorbeigehen benutzte.
Scharen von Insekten waren emsig damit beschäftigt sich über die Blumen auf der kleinen Wiese herzumachen, oder über die, die sich über die Blumen hermachen wollten. Eintagsfliegen tanzten im Wettstreit mit Staub und Pollen in den Sonnenstrahlen.
Vögel schwammen fast durch die saubere, sauerstoffreiche Luft.
Von der Lichtung ging ein kleiner Trampelpfad durch hüfthohen Farn in den Wald hinein.
Neugierig folgte sie dem Wildpfad und trat in den Wald. Kurz kam es ihr vor, als wenn sie „hereingelassen“ wurde.
Uralte Buchen, Eichen, Ahornbäume und Eschen reckten ihre Äste dem tiefblauen Himmel entgegen und streckten ihre knorrigen Wurzeln in die duftende Erde.
Im seichten Wind rauschten die Blätter und es klang so, wie die Geräuschkulisse alter Herren in einem Countryclub klingen musste. Mit derselben Ruhe und Gelassenheit. Sie fühlte sich überhaupt nicht fremd hier, oder bekam auch nur die Spur von Angst. Sie beruhigte sich augenblicklich. Dabei wurde sie normalerweise in soviel Natur eher unruhig.
Der Pfad führte sie zu einem Bachlauf der mit seinem fröhlichen Gluckern und Plätschern von den Dingen zu erzählen schien, an denen er unterwegs vorbeigekommen war. Dickes Moos bedeckte die großen Steine in und am Bach und milderte die ihnen naturgegebene Härte. Die Bäume wirkten wie grüne Säulen einer riesigen Kathedrale mit einem filigranen Dach, das einzelne Sonnenstrahlen auf den Boden fallen ließ.
Eine Ricke mit ihrem Kitz kam, ohne sie zu bemerken, an den Bach und trank.
Erst da bemerkte Beatrix, dass sie vor Stunden das letzte Mal etwas getrunken haben musste. Wahrscheinlich lag ihre letzte Cola ultralight schon Äonen zurück. Sie beobachtete die beiden Tiere und nach dem sie beim Weggehen immer noch nicht umfielen und Vergiftungserscheinungen zeigten, kniete sie sich an den Bachlauf und nahm mit der hohlen Hand etwas Wasser aus dem Bach. Es roch nach….Wasser. Sie probierte es. Von ihrer Freundin hatte sie schon mal dieses Fidschi-Wasser probiert, was sich ihre Eltern hatten einfliegen lassen, weil das Wasser aus Frankreich ja mittlerweile jeder trinken konnte.
DIESES Wasser schmeckte nach Wasser und purem Leben. Flach auf den Bauch gelegt schöpfte sie mit beiden Händen Wasser und trank es in gierigen Zügen. „Nun fehlen noch springende Forellen und ich glaube ernsthaft ich bin einem Vergnügungspark nahe Paris und jemand dreht gerade einen Film mit mir“ dachte sie, aber alles was sie aus dem Bach beobachtete, war ein Molch der sich ängstlich an einen Stein drückte.
Nachdem sie genug getrunken hatte ging sie weiter an dem Bach entlang dem Trampelpfad folgend. Nach einer guten Stunde teilte sich der Pfad vor ihr.
Auf dem linken Weg saßen zwei Baummarder, die ihren Jungen beim Spielen zusahen. Die wuselnden kleinen Fellknäuel verknoteten sich beinahe in ihrem wilden Spiel und manchmal mussten die Elterntiere mit einem beherzten Nackenbiss und unter lautem Protestquieken das Treiben abbremsen.
Etwas abseits setzte sie sich auf einen Findling der am Pfad lag und ließ die gesamte Umgebung auf sich einwirken. Das Fiepen der Marderjungen, das Rauschen der Blätter im Wind, das Summen der Insekten und Vogelgezwitscher waren die einzigen Geräusche die sie hörte. Seltsam. Nicht ein Verkehrsrauschen. Egal wo sie schon gewesen war – irgendwo war immer eine Autobahn, Eisenbahntrasse oder ein Flugzeug zu hören. Hier schien es das beständige Hintergrundrauschen nicht zu geben.
Ihren Blick nach oben gewandt, besah sie sich den Himmel, der blau und wolkenlos über ihr stand. Nicht eine Spur dieses gelb-bräunlichen Dunstes der sonst überall in ihrer Heimatstadt zu sehen war. Besonders an so sonnigen Tagen wie diesem.
Sie atmete tief ein. Fast purer Sauerstoff füllte ihre Lungen. Reine Luft ohne Autoabgase, Industrie- oder Heizungsrauch. Sie atmete noch einmal tief ein und fühlte sich, als wenn sie vorher noch nie geatmet hätte.
Sauerstoff durchströmte ihre Lungen und suchte sich den Weg über ihre Blutbahnen in alle Körperbereiche. Es prickelte förmlich unter der Haut und hinterließ eine wohlig schaudernde Gänsehaut.
Sie wollte das beschauliche Spiel der Marderfamilie nicht stören also ging sie in entgegen gesetzter Richtung des Weges weiter. Der Wald wurde etwas dichter, der Unterwuchs üppiger. Vor sich erkannte sie eine kleine Lichtung die einer der Baumriesen beim Sterben durch seinen Fall geschaffen hatte, um seinen Nachkommen zu mehr Licht, Luft und Wasser zu verhelfen. Auf dem moosbedeckten Stamm sitzend sah sie einen, ihr den Rücken zugedrehten, Mann sitzen. Zuerst wollte sie ihn ansprechen, wo sie wäre du wo der nächste Taxistand ist. Bis ihr einfiel, dass sie ja weder eine Kreditkarte noch einigermaßen coole Klamotten trug und sich dazu entschloss dem Kerl eher unauffällig zu folgen.
Vorsichtig versteckte sie sich hinter dem Stamm einer knorrigen Hainbuche.
Weil sie gegen die untergehende Sonne schaute konnte sie nur seine Konturen ausmachen, glaubte aber ein von dunklen Haaren umrandetes Gesicht zu erkennen, während sie sich an die glatte Rinde drückte.
Die Gestalt hielt eine Kugel in den Händen. Ein Glimmen ging von der Kugel aus, fast so wie ein dieser Glaskugeln aus dem Dekoshop, deren Elektroblitze sich immer da befinden, wo gerade die Finger aufliegen.
Ihr Exfreund nannte diese Läden gerne „Geldscheingrab“ oder „Steh-Rümchen-Laden“, „Fachgeschäft für Staubfänger“ und andere
Nettigkeiten für diese Fundgruben an weiblicher Dekorationslust. Nur das die Kugel in grün und nicht in dunkelviolett leuchtete.
Versonnen blickte die Gestalt hinein, die Umgebung überhaupt nicht wahrnehmend.
Beatrix wollte ihre Neugier befriedigen, was für eine Kugel das war, die so völlig ohne Strom so ein grandioses Leuchten hervorbringen konnte und trat einen Schritt vor.
„Sch…..eibenkleister“ dachte sie noch, als der trockene Zweig an dem ihre Tunika hängen geblieben war, zerbrach.
Durch die Stille klang dieses trockene Knacken so laut wie ein ganzer splitternder Baum.
Erschrocken stand der Mann auf, die Kugel versank mit einer geschmeidigen Bewegung in einem Beutel an seinem Gürtel.
Er entdeckte sie, fing an mit den Fingern seltsame Zeichen in die Luft zu malen und …..verschwand.
Es geschah nicht direkt, sondern er schien eher zu zerfließen…so wie flirrende heiße Luft auf Asphalt manchmal flüssig erscheint.
Ungläubig rieb sie sich die Augen. Sollte sie doch nur in einen gasbedingtem Trip erliegen?
Sie trat auf die kleine Lichtung und ging zu dem umgestürzten Stamm.
Deutlich war noch der Abdruck zu sehen, den er im dicken Moos auf dem Stamm hinterlassen hatte. Soweit schien alles normal. Bis auf die Tatsache, dass das Moos zu verwelken begann. Aber nicht alles verwelkte, sondern es bildeten sich…. wirre Zeichen?…“nun ist es soweit, ich dreh’ durch“ dachte sie. Die Tatsache, dass sie die sich bildenden Zeichen entziffern konnte, nahm ihr Karneval feierndes Hirn anscheinend schon gar nicht mehr wahr.
„Herz in Ketten, tief drunten im Schloß
Einst grünes Land nun ist verbrannt
Wirklichkeit oder Täuschung bloß?
Hat sich in sich selbst verrrant.
Sucht das Land wieder zu begrünen-
Findet den Weg nicht aus dem Haus
Hats doch geschafft sich mit sich selbst zu versöhnen
Will nur noch aus dem Dunkel ‚raus“
„Klingt nicht nach einem guten Liedertexter, scheint wohl nicht so bekannt zu sein, das Stück“ dachte sie bei sich und schüttelte den Kopf.
Ein Vogelschrei ließ sie erschrocken aufblicken und in den Wald schauen.
Ein weiterer Pfad bildete sich zwischen den jungen Stämmen.
Was sollte sie anderes machen…stehen bleiben brachte genauso wenig wie zurückgehen.
Während sie weiter in den Wald hinein ging, hatte sie das Gefühl, dass die Farben noch tiefer, die Gerüche noch intensiver wurden. Langsam wurde es dunkel.
Sie hatte zwar schon des Öfteren so genannte Survivalberichte gelesen, aber so richtige Lust hatte sie nicht auf eine Übernachtung unterm dem Blätterdach. Geschweige denn auf Regenwurmessen.
Solange es noch einigermaßen hell war, beschloss sie, etwas schneller zu gehen. Vielleicht fand sich ja eine Hütte oder eine Höhle. Ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb ihr zusätzlich noch, dass sie gleich aus dem Trip erwachte.
Weder eine Hütte fand sich, noch eine Höhle und der Trip dauerte auch noch an. Es wurde langsam stockdunkel und immer weniger Licht drang durch das dichte Blätterdach. So gerade konnte sie noch den Pfad vor sich erkennen, als sich ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen begannen.
„ziemlich gutes Zeug hab ich da inhaliert“ murmelte sie bei sich.
Vor sich, etwas entfernt, sah sie einen Lichtschein. Ein Feuer? Dachte sie einigermaßen beruhigt? Oder vielleicht doch ein Haus, dachte sie noch freudig beruhigter? Vorgewarnt durch ihre letzte Trampeltieraktion, schlich sie vorsichtig auf den Lichtschein zu.
Sie konnte ein Lagerfeuer erkennen an dem, mit dem Rücken zu ihr gewandt, ein Kind saß.
Langsam, um das Kind nicht erschrecken ging sie auf das Feuer zu.
„Böse Absichten scheinst du nicht zu haben, Menschenmädchen, so laut wie du durch das Gehölz trabst. Setz dich und wärm dich auf.“
Sie bekam einen Schrecken der für jeden herzkranken Menschen entweder das sofortige Aus bedeutet hätte oder einen längerfristigen Aufenthalt in einer Erholungseinrichtung mit BypassOP.
Die Stimme des Kindes war so rau, wie die eines Penners am frühen Morgen, nachdem abendlichen Genuss eines 3L-Tetrapacks Lambrusco.
Das „Kind“ stand auf und drehte sich zu ihr um. Spätestens jetzt wäre es auch für diejenigen an der Zeit am himmlischen Konzert teilzunehmen, die den ersten Schrecken mit der Stimme überwunden hatten.
Wulstige, schwielige Finger schoben sich vor ihren Mund und drängten den herauf stürmenden Schrei wieder zurück.
„Wer bist du?“ fragte das bärtige Etwas und zog langsam die Hand von ihrem Mund weg.
Sie wollte wieder anfangen zu schreien, aber der Schrei hatte sich ängstlich irgendwo in ihrer Kehle versteckt und zitterte zwischen den Stimmbändern.
„Was macht ein Menschenprinzesschen wie du hier draußen in der Wildnis, allein?“ – Der Schrei umklammert mittlerweile panisch die Stimmbänder und ließ keine Artikulation zu.
„Was ist? Hast du vor lauter Hunger deine Zunge verschluckt? Dein Magen knurrt lauter als ein Eiswolf im Winter“ Mürrisch dreinblickende graue Augen betrachteten sie abschätzend.
Erst da bemerkte sie, dass das letzte Mal heute Morgen etwas gegessen hatte.
„jjjjjj…aaa… habe Hunger….“stammelte sie und verscheuchte die Reste des Angstschreis „hätten sie etwas zu essen? Ich zahle auch dafür.“
„Horrido, es spricht!“ Erstaunt blickte sie der…kleinwüchsige Mann an. „Womit willst du bezahlen? Gold hast du nicht, dass hätte ich längst gerochen und auf Menschenfrauen habe ich noch nie Lust gehabt. Nimm dir die Reste des Kaninchens“
Während sie sich auf das Nagetier stürzte, beziehungsweise was davon über war, betrachtete sie den Zwerg genauer.
Unter einem grauen Haarschopf schauten zwei wache Augen aufmerksam wie sie sich das Fleisch der Keule in den Mund schob.
Der breitlippige Mund wurde von einem dunkelgrauen Bart eingerahmt, dessen Haare als Designvorlage für Stahlwolle durchgehen könnten.
Fast sah er dem Coca-Cola Weihnachtsmann ähnlich. Wenn man sich ein Lächeln weg- und den durchdringenden Schweiß- und Ölgeruch hinzudenken würde.
Sein Körper schien statt in die Höhe, eher in die Breite gewachsen zu sein.
Quadratisch, praktisch…..und so weiter. Der Körper steckte in einer Kleidungsmischung aus Wolle und Leder. Alt, abgetragen und sehr oft genäht.
Irgendwie bekam sie das Gefühl nicht los, das die Kleidung eine dauerhafte Verbindung mit der Haut eingegangen wäre.
„’Tschuldige, das ich keinen Hofstaat angelegt habe, hatte heute nicht mehr mit königlichem Besuch gerechnet“ sagte er, als ob er ihre Gedanken lesen könnte.
„Wie heißt du, Mädchen?“ fragte der Zwerg, (immer diese politische Unkorrektheit, dachte sie sich) bzw. …der kleinwüchsige Mann.
Sie überlegt fieberhaft ob sie nicht gerade mit einem Polizisten sprach, den sie durch die irren Visionen hervorgerufen, für eine Billigkopie des Glimli’s aus diesem Fantasystreifen hielt.
„Ich weiß es nicht“ sagte sie spontan und aus irgendeinem Grund kam ihr das so schnell über die Lippen, dass sie noch nicht einmal das Bedürfnis zu kichern hatte. Je länger sie hier saß, desto normaler schien ihr das Ganze zu sein.
„Wie, du weißt nicht wie du heißt? Hat dir ein Ork auf den Kopf geklopft oder hast du zulange an Vergissmeinnicht geknabbert?“
„Keine Ahnung“ antwortete sie …. ziemlich wahrheitsgemäß, wie sie fand.
„Seltsames Kindchen“ entfuhr es dem Zwergen während er genauer auf ihren Kopf zu schauen schien.
„Kindchen?!“ entfuhr es ihr, war sie doch noch nicht zu alt um nicht entrüstet zu sein bei dieser Unterstellung erwachsener Missstände.
„Sicher, ihr Menschen seid schon alt und grau und sterbt, wenn wir aufhören an unseren Grauwackennucklern zu lutschen“ schmunzelte der Zwerg.
„Ihr lutscht an…..Steinen?“ ein leichtes pfffihihii wollte sich schon über ihre Lippen mogeln.
„nur wenn wir Welpen sind…“ sagte er so ernst, dass sie das Gekicher verschluckte, welches sich an den Schrei schmiegte, der – wieder einsatzbereit- immer noch an den Stimmbändern hockte.
„Wie heißt du?“ fragte sie ihn. Er holte tief Luft.
„Meinen Zwergennamen kann ich dir nicht nennen, du würdest ihn eh nicht aussprechen können. In der Menschensprache kannst du mich Reorx
nennen“
„Bedeutet der Name etwas?“ fragte sie unschuldig.
„Ja er bedeutet: Wäscht sich den Hintern mit Menschenhaut und hat gerne Goblinohren zum Nachtisch“ der Sarkasmus war unüberhörbar.
Als sie ihn mit hochgezogener Augenbraue und abschätzendem Blick betrachtete sagte er kleinlaut“ Er bedeutet soviel wie Moosachat“
„Klingt ziemlich weiblich….“ Sagte sie.
„Wenn dir mein Kaninchen nicht schmeckt und du lieber einen Bären beleidigen magst…..geh doch einfach weiter“ schlug er süffisant grinsend vor.
„ Tut mir leid, es ist nur so, dass ich weder weiß wo ich bin noch wer und was ich hier überhaupt soll“ sagte sie mit entschuldigend dreinblickenden Augen. Bei ihrem Vater wirkte das immer.
„Du kommst schon mal definitiv nicht von hier“ –Bingo, klappte auch bei dem Zwerg, Männer sind halt doch alle gleich.
„Woher weißt du das so genau?“ fragte sie ihn – wieder auf der sicheren Seite.
„
Du läufst freimütig durch diesen Wald wie ein junges Kitz. Das bedeutet, dass du wahrscheinlich noch nie einem Wolf oder Bären oder Greifen begegnet bist. Gleichzeitig trägst einfache Kleidung, neu wie gerade frisch geschnitten. Das Wichtigste aber ist, dass du nach etwas stinkst was ich noch nie gerochen habe. Ein Gestank umweht dich der nicht von dieser Welt ist. Beschreib mir wie es dort wo du lebst ist.“ forschend blickte er sie an.
„ Dort wo ich herkomme…soweit ich mich erinnern kann ist es irgendwie …grauer…dreckiger….staubiger, die Luft ist nicht so klar, die Farben nicht so intensiv, und alles ist zubetoniert“ sinnierte sie.
„zubetoniert? Was ist das?“ fragte Reorx.
„So ähnlich wie Stein nur künstlich von Menschen gegossen“ antwortete sie.
„Willst du mir erzählen, du bist aus der Anderswelt?“ mit großen Augen blickte er sie an.
„Anderswelt?“ fragte sie, wenn auch unhöflicher, zurück.
„Der Ort an den wir Zwerge kommen, wenn wir sterben und im Leben einiges verbockt haben. Also so richtig. Ein Ort voller schmutziger Luft, gegossenem Stein, Gnomenmaschinen die in riesigen Gebäuden stehen, keinen Höhlen.“ Das letzte sprach er aus als ob er richtig Angst bekam.
„Trifft es ziemlich genau“ sagte sie nüchtern.
„Jesses, ein Wiedergänger, aber warum in menschlicher Gestalt?“- verwirrt nestelte er an sich herum.
„Wie kamst du hier her?“- fragte er argwöhnisch.
„Alles woran ich mich erinnern kann ist, dass der Stab anfing zu leuchten in dem Museum und ich plötzlich auf der Lichtung in dieser Richtung stand.“ Erzählte sie.
„Was ist ein Museum? Und welcher Stab?“ die alte argwöhnische Miene wurde wieder aufgesetzt.
„ Ein Ort wo alte Dinger aufbewahrt werden, offiziell um sie der Nachwelt zu offenbaren. Aber ich glaube sie sind nur zur Langeweileerzeugung der Jugend da. Der Stab war ungefähr so hoch“ sie zeigte an ihre Schulter“ und hatte einen grünen und einen blauen Stein in der Spitze. So ein Stock eben“ beschreib sie die Wurzel ihres Übels.
„Mit Runen an der Spitze? Um einen Saphir..so ein tiefblauer Stein, in der Mitte der Krümmung ein Moosachat…..so ein graugrüner ..und am Fuß einen Diamanten?“ zählte er auf und sein Gesicht wurde immer forschender.
„Schon möglich, so genau habe ich ihn nicht betrachtet“ sagte sie verteidigend.
„ da ist er also hin……“ mehr gebrummelt als gesagt drehte er sich am Zeigefinger kauend weg. Es klang als wenn man an einem Metallstück mit einer Raspel beschäftigt ist.
„Wohin? Wer?“ fragte sie, ohne noch irgendwas zu kapieren.
„In der Anderswelt…der Stab!“ antwortete er verkniffen.
„Ich versteh’ gar nichts mehr“ fragend blickte sie ihn an.
„ Nicht schlimm, scheinst ja auch nicht die Hellste zu sein.“ murmelte er nur bevor er wieder sinnierend im Kreis ging.
„ und du nicht der Größte“ Kam es mehr automatisch aus ihr heraus, da tat es ihr auch schon leid.
„Wird mal nicht frech, Kindchen, du stehst ….sitzt…vor 150 Jahren Zwergenmann im besten Alter!“ er baute sich vor ihr auf…und schaute ihr gerade mal in die Augen, so wie sie da auf dem Stamm saß.
„ Du bist wie alt?“ skeptisch blickte sie an „ 150 Jahre? …wie war das mit diesem…diesem..dem Ork der angeblich herumläuft und auf Köpfe klopft?“ so langsam wünschte sie sich dringend wieder aufzuwachen.
„Du glaubst mir nicht?“ in seinen Augen zeigte sich leichtes Glimmen.
„Wie kommst du denn da drauf? Natürlich nicht!“
„ Du scheinst wirklich nicht aus dieser Welt zu kommen, dann will ich es dir ebend erklären“ schon positionierte er sich in Lehrerpose.
„Es heißt eben…“ verbesserte sie ihn.
„Schätzeken, wer ist hier aufgeschlagen und weiß noch nicht einmal seinen Namen? Häh?!“ Er stemmte die Arme in die Seiten.
„Entschuldige, tut mir leid.“ Sie hob die Schultern an und hoffte, dass diese Geste dimensionsübergreifend war.
„ In Ordnung, kann ich jetzt, oder haben Prinzesschen noch etwas noch etwas zu bemängeln?“
„ Entschuldiguuuuuuuuuuuuuuuuuuuuung!“ Gott, war der kleine Brummkopf empfindlich.
„ Also gut. Du bist hier in Chrysalien. Das liegt auf dem Kontinent Bargkada. Neben den Pflanzen und Tieren die hier siehst, „ er spuckte ins Feuer „ den herrlichen Gebirgen und Felsen gibt es hier auch Zweibeiner und zwar:
Menschen. Bemitleidenswerte Wesen mit kurzem Leben und selten mit magischen Fähigkeiten. Eigentlich leben sie nur um Nachkommen zu zeugen, damit ihre Rasse nicht ausstirbt. Aufgrund ihrer Kurzlebigkeit sind sie meist raffgierig und dumm. Nichts für ungut“ er blickte sie grinsend an „ soll ich noch mal oder hast du das verstanden?“ unschuldig wie ein Lamm schaute er aus der Wäsche.
Kauend nickte sie und ließ absichtlich ein Stückchen aus dem Mundwinkel auf den Boden fallen nur um sich grunzend danach zu bücken.
Reorx verdrehte die Augen und fuhr fort.
„ Dann gibt es noch uns Zwerge, oder Dwargon. Wir leben ungefähr 300 Jahre -die meiste Zeit davon im Gebirge wo es schön warm ist und der Stein hart und rau. „ ein schwärmerischer Glanz legte sich um sein Gesicht „Fast alle Zwerge verfügen über minimale magische Fertigkeiten, die sie aber aus Ehrfurcht vor der Arbeit nicht einsetzen und nur ganz wenige werden Erdschamanen. Ein Schamane hilft den Steinhauern beim Stollen graben. Wir spüren Edelstein und Metalladern auf und beruhigen den Granit, so dass wir die Kostbarkeiten schürfen dürfen. „ er seufzte sehnsuchtsvoll und setze erneut an…..
„Du sagtest wir…du bist auch so ein…Schamane?“ fragte sie dazwischen.
„ Was? Achso…ja, aber das ist jetzt nicht wichtig.“ Versuchte er abzulenken. Sie beschloss diese Information zu speichern.
„Dann gibt es noch –„ ein Schütteln durchfuhr ihn „ Elfen.“
„So richtige Elfen?“ wenn sie wieder zuhause wäre, musste sie unbedingt den Namen des Gases erfahren, beschloss sie. Das Zeug war genial.
„ Rede ich gerade zwergisch? Ja, Elfen. Große dürre langfingrige nichtsnutzige Wesen. Ihr Menschen schaut sie meist mit leichtem Sabbern und großen Augen an und seid ganz weg von deren Aussehen. Wie alt Elfen werden weiß keiner so genau, aber wenn man ihnen eine Axt zu futtern gibt, dann fallen sie auch um. Die dunklen natürlich. Die hellen sind ganz nett eigentlich. Das darf aber keiner wissen, dass ich so denke, besonders andere Zwerge nicht. Sie sind voller Magie, so ziemlich jeder ist ein Magier. Die Menschen halten sie fast für Götter nur weil jeder der Spitzohren lustige bunte Lichter machen kann. Das wars im Groben und Ganzen mit den „Guten“ Er setzte sich und nahm einen tiefen Schluck aus dem Schlauch neben dem Feuer.
„Hrrrrrrrrrrrrruuuuompf“ aus den tiefen seiner Magengrube kam die Danksagung des Verdauungstraktes zur Luftherauslassung.
„ und dann haben wir noch allerlei grünhäutiges Zeug hier. Orks, Trolle, Goblins, Oger und anderes Geschmeiß. Lieben Menschenfleisch und sind ziemlich unkultiviert“ sagte er, während er freudig einen gefunden Popel an seiner Hose abstrich.
„Das heißt sie fressen Menschen?“ ungläubig starrte sie den Zwerg an.
„ Verschlingen trifft es besser, zumindest wenn sie mal ein Stückchen von der Leiche abgerissen haben oder jemand so unvorsichtig war ihnen nicht vorher den Kopf abzuschlagen bevor er in Reichweite der stinkenden Zahnreihen gelangte.“ Schmatzend fischte er einen Speiserest aus seiner Stahlwolle im Gesicht.
Ein kurzer Hauch seines Atems wehte ihr entgegen.
„Zahnpflege scheint nicht nur bei denen nicht hoch im Kurs zu stehen.“ Mit der Hand wedelnd wandte sie sich ab.
Reorx starrte sie an und hob kurz die Augenbrauen und griff langsam an seine linke Seite wo aus einem Stoffhaufen zwei Stiele herausschauten.
„Heh, entschuldige bitte, hab das doch nicht ernst gemeint.“ Etwas mulmig wich sie vor ihm zurück. Sein Gesichtsausdruck hatte sich verfinstert und mit grimmigem Blick zog er langsam zwei Äxte aus dem Stoffhaufen
Sie folgte seinem Blick an ihrer Schulter vorbei ins Gebüsch und erblickte….Blätter.
„Was soll da sein?“ fragte sie ungläubig und erntete ein heftiges „schhhhhhhh“machte er …immer noch auf das Wirrwarr aus Blättern und Zweigen starrend.
„Erst gestern habe ich ein Rudel von den kleinen Madenfressern gesehen…dachte die wären nur auf der Durchreise…..“ murmelte er vor sich hin, den Blick forschend auf das Gebüsch gerichtet.
„Gibt es hier welche von diesen….Grünhäuten?“ flüsterte sie.
„Eigentlich nicht und uns Zwerge lassen sie in der Regel auch in Ruhe. Es sei denn sie haben sich einer Mutprobe zu unterwerfen. Kann also nur daran liegen, dass sie junges Menschenfleisch wittern“ Reorx sprach derweil zum Boden als er einige Steinchen aufhob und sie im Kreis um das kleine Lager streute.
„Das heisst diese…Dinger sind wegen mir hier?“ ihre Hände wurden feucht und fingen an zu zittern.
„Scheint so“ murmelte Reorx weiter, während er sich in die Mitte ans Feuer setzte, die Augen schloss und in seinen Bart brummte.
Ihre Beine wollten die Hände nicht allein lassen im Rhythmus und zitterten mittlerweile mit.
Angestrengt flüsterte sie ihm zu „und was gedenkst du nun zu tun, außer hier ommmmmm’end zu meditieren?“ Der Schrei an ihren Stimmbändern ging in Habachtstellung und Panik machte sich in ihrem Kopf bereit, die Macht zu übernehmen.
„Bleib ruhig, der Schutzwall hält sie ab“ und weiter ging es mit dem monotonen Brummen.
„Schutzwall?! (die Drogen musste sie unbedingt wieder nehmen)hier ist doch nichts außer Blättern und Kieselchen…NICHTS!!!!!“ Panik hatte das Kommando übernommen und befahl Hektik sich umzusehen. Beine und Hände wippten stakkatoartig.
Reorx wischte murmelnd kurz durch die Luft und um sie herum erschien eine steinerne Wand, so glatt, dass sich eine landen wollende Fliege erst kurz vor dem Bodenaufschlag fangen konnte.
Das war es. Panik quittierte den Dienst und die Abteilung Bewusstsein machte Feierabend.
Sie sackte in schwärzeste Bewusstlosigkeit.
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Sonnenlicht kitzelte ihre Nase und die Waldvögel wetteiferten in ihrem Gesang. Das laute Zirpen eines Zaunkönigs direkt an ihrem Ohr gab ihr den letzten Rest zum Wachwerden. Sie blickte sich um, um den Störenfried auszumachen und erblickte auf einem Ast im Gebüsch zu ihrer Linken den daumengrossen Vogel, der sich die Seele aus dem Leib pfiff.
„Typisch, die Kleinsten haben immer die größte Klappe…“ murmelte sie schlaftrunken. Dann schlich sich die Realität so langsam an ihr Gehirn und machte leise BUUH! „Doch kein Trip und kein schlechter Traum“ rieb sie sich ungläubig die Augen und sah sich nach dem herrlichen Duft um.
An dem frisch angefachten Lagerfeuer steckten Stöcke mit aufgespießten Fischen, die herrlich dufteten.
„Immer wieder herrlich wie dumm selbst Fische aus der Wäsche schauen können, wenn die Steine im Bachbett sie festhalten.“ Sprach Reorx während er noch drei Forellen ablud.
Ihr Magen meldete starken Bedarf, aufgrund völliger Leere.
„Lass es dir schmecken, sind reichlich da.“ sagte Reorx, während er die frischen Fänge abschuppte
Er schnitt einen Fisch der Länge nach auf und pulte die Innereien heraus und ließ sie in eine kleine Grub fallen.
„Manchmal frag’ ich mich, wieso ihr Menschen nicht mit den Grünhäuten auskommt. Zumindest eure Essmanieren sind gleich.“ ließ der Zwerg beim Ausnehmen einer Forelle vernehmen.
„Emfuldige, aba i bi fo dermaffen unhrig“ es war deutlich zu hören, dass der Mund mehr Füllung aufwies, als für eine klare Aussprache gut war.
„Ja bäähh“ angewidert pulte sich Reorx ein gekautes Stückchen Forelle aus der Augenbraue