Männer? Väter!

Männer?-Väter?!

Ich bekenne mich: Ich bin Vater.

Das alleine reicht heutzutage ja schon in der vergeMenshealth’ten Männerwelt als Mann da zu stehen, der irgendetwas falsch gemacht hat. Keine Zeit mehr für Waschbrettbauch in 4 Wochen, Muskelmasse verfünffacht in 3 Wochen und Sie 50-mal zum Orgasmus gebracht in 4 Minuten. Oder für Lifestyle in 12 Monaten mit Mode/Fitness/Luxus/Erfolg.

Wenn dann noch herauskommt, dass sie die erste Zeit zuhause bleiben und die „angestammte“ Mutterrolle übernehmen und die Frau wieder zur Arbeit schicken, dann ernten  sie meist diese 4 Reaktionen:

Betretenes Schweigen

Stille Bewunderung

Verblüfftes Mitleid

Lautes Gelächter.

Nur eines erfahren sie nie ohne eigene Erfahrungen machen zu müssen. Wie oder was Mann zu tun hat, wenn er Vater wird und sich dazu entschlossen hat, die Erziehung in den ersten Monaten zu übernehmen. Oder sie übernehmen muss. Von ihren kinderlosen stylischen Freunden können sie nichts erfahren. Außer das sie auf einmal bemerken, wie jungenhaft sich diese Typen noch verhalten. Ich kenne Typen die mit Mitte 30 immer noch nie mit einer Frau zusammengelebt haben, außer mit Mutti. Von so einem erfahren sie nichts über Kinderwickeln etc. Kunststück. So was steht auch nicht in der Men’s Health. Da würde wahrscheinlich drin stehen,  wie sie mit einer Windel die Tränen auffangen, die sie vergießen, wenn sie mit ihrem Cayenne in der mitteldeutschen Funklochpampa liegen bleiben. Unter Survivals.

Es gibt zig Ratgeber für die Frau in der Schwangerschaft und danach, aber die brauchbaren MännerGU’s können sie an einer Hand abzählen.

Brauchbar im Sinne von: Bedienungsanleitung für das Baby.

Also fangen wir hier langsam damit an, Ihnen auf dem Weg in ein neues Sein, fernab von allem oberflächlichen Schmonzes die Laterne zu halten. Wenn sie im Hintergrund ein leises „Glückauf!“ Summen hören, dann liegt das an meiner Herkunft.

Vielleicht fange ich damit an, ihnen erst etwas über mich zu erzählen. Männer vergleichen sich ja gerne. Wenn sie sich also mit mir vergleichen können, dann geht es ihnen vielleicht schon am Anfang etwas besser.

Bis zu dem Zeitpunkt wo ich meine jetzige Frau kennen lernen durfte, hielt ich mich für eine „schneidige“ Type, wie es so schön heißt. Ich hatte einen guten Job, verbrachte viel Zeit im Nightlife und war ziemlich geil drauf. Alles andere als auf Familie geeicht.

Durch Zufälle geriet ich ins Dortmunder Nachtleben und zwar auf die andere Seite der Theke. Wozu Geld ausgeben für das Besoffen werden, wenn man noch Geld dafür kassieren kann? Ich war jung und brauchte das Geld.

Irgendwann haben sie jede Story gehört, kennen jeden Typ Mann. Haben ziemlich viel gesehen und gemacht „Wo frühstücken wir nachher – Paris!- 4Stunden Fahrt für’n Croissant und n Kaffee….ist gut“-oder -„Kommste’ mit nach Berlin?- Zur Love Parade? klar!- Das auch, aber heute Nachmittag noch eben hin und n Stückchen Stoff von der Reichstagsverpackung abschneiden. –  Türlich, dein Wagen oder meiner?“ Das Leben war ein Tollhaus.

Gut, manchmal denkt man schon darüber nach, wie es gewesen wäre, alles ein wenig…..seriöser angehen zu lassen. Aber hinterher ist man ja immer klüger. Oder?

Bis zu diesem schicksalhaften Tag , an dem ich ziemlich angetrunken meiner jetzigen Frau meine Telefonnummer in einen Bierdeckel ritzte, weil der verdammte Kugelschreiber der Barkeeperin leer war. Vielleicht hätte ich auch einfach die Mine herausdrücken sollen, dafür war wohl der silberne Knopf am stumpfen Ende gedacht.

Alles kommt wie es kommen muss. Man telefoniert ellenlang miteinander und verabredet sich irgendwann und geht aus und dann und und und und …dann… kommt irgendwann der Tag, an dem sie vor ihnen steht und ihnen einen Plastikstab vorhält, auf dem sich ein X oder + bildet in bleu.

Ab genau diesem Zeitpunkt sind alle vorherigen Dinge die sie jemals gedacht haben, vorbei.

Sie sitzen vor dem PC oder dem Fernseher oder sonst wo und die Welt zieht sich auf einmal um sie herum zusammen wie ihr Mund, nachdem sie herzhaft in eine Packung Ascorbinsäure gebissen haben. Das Universum schrumpft auf  die Größe einer Walnussschale zusammen (schönen Gruß an Herrn Hawking!)

Alle Hintertürchen, die Mann sich ja gerne im tiefsten Inneren gerne mal aufbaut und sauber hält, knallen zu- vernageln sich selbstständig und verschwinden dann im Nirwana.

Wenn sie ein Kerl sind. Also Kerl im Sinne von: Ich habe mich dafür entschieden, also muss ich zu meiner Entscheidung stehen, weil das Gegenüber im Spiegel da sonst nur noch eine Fußhupe ist.

Wenn sie eine Luftpumpe sind, dann bleiben diese Hintertürchen und sie verbreitern sich auf Flughangartor-Grösse. Dann beginnt der kleine Scheißer in ihnen, der noch oben bei Mutti wohnt, zu zittern. Denn jetzt wird aus dem Jungen endlich ein Mann. Der Junge bekommt es mit der Angst und denkt darüber nach, was er alles nun beachten muss und –viel schlimmer – was nun flach fällt. Es gibt Typen, die rennen ihr Leben lang einem unbestimmten Vogel hinterher und lassen dabei schon mehrfach ein paar Paradiesvogelweibchen auf der Strecke.

In seinem Kopf bereiten sich die Gedanken aus, die sich sicher sind, dass bestimmt noch etwas kommt. Und dies auch noch denkt, wenn fürs Nachtleben nur noch Ü40 Parties und der DiscoFox-Bereich in Großraumdiskos bleibt. Gratulation dazu. Wenn sie erst einmal mit Atze-Schröder-Tribute Frisur und Goldkettchen an der Theke sitzen und dummdoofe Frisösen abgreifen müssen, ist das Leben vorbei.

Der Kerl schluckt zweimal und merkt wie sich in ihm ein warmes Gefühl ausbreitet. Das kommt zum einen von dem Hochprozentigen, den sie sich erstmal gönnen. Zum anderen von dem neuen Lebenslevel. Machen sie sich keine Gedanken über ihre Reaktion. Sie ist die Richtige, denn die wenigsten Männer werden in diesem Moment etwas vorspielen können.

Haben sie Panik, dann wird sie sich zeigen. Freuen sie sich riesig, dann nehmen sie sie (ihre Frau, nicht die Flasche) hoch und tanzen einmal ums Karree.

Es ist soweit, sie werden Vater. Schluss mit abends raus bis frühmorgens und mit den Drogen, dem Alkohol, den wilden Festen, fremden Frauen hinterher geifern. Denken sie. Sie denken falsch.

Niemand wird sie von heute auf morgen ändern und am Allerwenigsten sie selber. Dieser Prozess geht nur langsam voran. Machen sie sich als Erstes keinen Kopf. Es wird kein richtig oder falsch geben in ihrem Denken. Oder nur begrenzt.

Wenn sie ein Kerl sind, dann denken sie nun automatisch richtig. Wenn sie eine Fußhupe sind, dann denken sie falsch. Dann denken sie nämlich über all das nach, was sie ab jetzt nicht mehr tun könnten und fassen den Gedanken mit Ausziehen oder Auswandern ins Auge. Egal wohin, nur weit weg vor der sich verändernden Frau. (Feigling halt. Aber gut, sie mochten bestimmt auch Jägermeister/Cola und Wodka-Feige Shots.)

Und sie wird sich verändern. Ihre Frau meine ich.

Wenn sie das PMS-Geplänkel kurz vor ihren Tagen schon stressig empfunden haben, dann machen sie sich auf eine fundamentale universelle Sache gefasst. Es geht immer schlimmer.

Ihre Frau wird zu einem Hormonmonster mutieren.

2. Kapitel

Wo waren wir stehen geblieben? Achja, Glückwunsch, sie haben ein X geschaffen. Das ist das Erste, was sie von ihrem zukünftigen Stammhalter/-in sehen. Zu vorderst ist es die erste offizielle Beglaubigung, dass sie zeugen können. Nicht Bezeugen – z.B. dass ihr bester Kumpel doch nicht besoffen gefahren ist. Eher Erzeugen. Und zwar diesmal nicht den sonstigen sinnlosen Müll, den sie zuhause und auf der Arbeit hinterlassen. Sondern etwas mit Hand und Fuß.

Dieses X ist sozusagen die erste Unterschrift ihres Kindes auf der Anwesenheitsliste ihres Lebens.

Wir gehen nun von dem Regelfall aus. Sprich, sie haben sich vorher Gedanken gemacht und finden, dass sie mit der Frau da gut auskommen und das auch über Jahre und Jahrzehnte. Man ist zusammengezogen, hat sich beschnuppert und auch die ersten rosaroten Filter sind verschwunden. Denn in allen anderen Fällen würden sie nicht zu einem „Ratgeber“ wie diesem greifen, sondern zu einem Rechtshilfebuch.

Sie verzeihen ihr, dass sie gerne redet und sie jedes Mal vorwurfsvoll auf ihre Hinterlassenschaften in Bad und Schlafzimmer deutet.

Sie sind sich also sicher, dass Sie wollen, dass sich die Dinge entwickeln. Besonders die Zelldinger im Uterus ihrer Frau.

Das ist nicht alltäglich. Ich kenne viele, mich selber eingeschlossen, deren dumme Geilheit – oder geile Dummheit, dafür gesorgt hat, dass man auch schon mal nachts zur Apotheke für „die Pille danach“ musste. Oder auch schon mal 3 Wochen gezittert hat. Gut mit Präser wäre man sicherer gewesen, aber wer poppt schon noch mit Präser wenn man schon 3 Monate zusammen ist und die Tests alle negativ sind? Ich meine, dafür bleibt man doch schließlich länger mit einer Frau zusammen, dass man auch mal ohne rein darf.

Scherz beiseite, sie sollten natürlich immer so vehement verhüten, wie es nur geht. Nicht nur gegen Schwangerschaft, auch wegen der netten anderen Kleinigkeiten, die man sich so einfangen kann. Auch vorher Reden bringt eine Menge. Und dann lassen sie das Licht an, weil es ihnen im Dunkeln garantiert zu wild ist. Gähn.

Jeder, der nicht gerade von einer Emma-Abonnentin aufgezogen wurde, hat schon mal die richtig wilde Variante erlebt. Wenn die Hitze schon im Treppenhaus für erste offene Kleidungsstücke sorgte….da denkt man zuletzt an jedes kleine Bisschen.

Bestenfalls ist man vor dem Segen aus der Kirche gegangen und hat sich dann das Kind aussaugen lassen. Auch dabei kann es immer wieder vorkommen, dass sie schwanger wird, wissen ja alle von Herrn Boris B. Das hässliche Endprodukt kann nur eine Mutter schön finden.

Gut, die Millionen Teeniepärchen jedes Jahr, die eine ungewollte Schwangerschaft verzeichnen,  anscheinend nicht. Wenn ich schon folgendes höre:

- Kondom gerissen, dabei hab ich alles richtig gemacht (Der Hersteller der Tüte trägt die Schuld)

- Wusste ich doch nicht, dass bei Durchfall/Antibiotikum die Pille nicht wirkt (Der Hersteller der Pille trägt die Schuld, weil er so viele Dinge auf den Beipackzettel schreibt – die ja kein Mensch auf einmal lesen kann)

dreht sich meine Halskrause wieder bis nach Bottrop.

Aus einem weit abgeschlagenen Zweig meiner Verwandtschaft schafften es die Zwillingsjungs zwar aus der Türkei eine deutsche 0190er anzurufen, aber zuhause dann nicht dafür zu sorgen, dass ihre (vom Vater) vererbte Schlichtheit sich nicht noch weiter ausbreitet. Bekommen keinen Buchstaben in der richtigen Reihenfolge lesbar aufs Papier, aber zum Ficken braucht man ja auch keinen Schulabschluss, dass kann ja schließlich jeder.

Da hört dann die Fähigkeitsskala der Jugendlichen auf. Hat ihnen ja keiner erzählt, dass das Zeug was da herausschießt auch was anderes bewirken kann als klebrige Hände/Kleidung. Ich drifte ab ins Eklige, Verzeihung, habe mich gehen lassen.

Über den fehlenden Poppschein in unserer Gesellschaft lässt sich diskutieren, ist aber im Grunde nur eine Sache der Politik. Der einzige Grund, so vermute ich, dass die Bundesregierung noch nicht darüber nachgedacht hat, ist, dass wir Deutschen aussterben.

Eine Variante, diesen Trend aufzuhalten, ist die geheime systematische Verdummung der Jugend. Nie waren so viele Mädels unter 20 Jahren Mütter, wie in diesen Jahren. Allenfalls in den 50ern. Wenn sie heute eine 14 jährige mit Prekariatsstempel (Arschgeweih) sehen, dann ist jene in Wirklichkeit erst 12. Und- meine Meinung- hat schon mehr Meter verpackt, als sie jemals werden laufen können. Früher war ich gut darin, dass Alter von Mädchen und Frauen einzuschätzen. Entweder ist diese Fähigkeit mit dem Alter verkümmert, oder es hat sich etwas radikal verändert.

Wie dem auch sei, sie sind aber nach reiflicher Überlegung sicher, dass sie sich mit dieser Frau vermehren wollen und die Vorbereitungen stehen schon für den Rest ihres Lebens.

Natürlich haben sie auch einberechnet, dass man niemals „nie“ sagen sollte.

Oder etwa nicht?

Oh, sie gehören zur“ Passiert mir nicht“ – Fraktion? Sie glauben ernsthaft, dass es keinen Kerl auf dieser Welt gibt, dessen Schwanz länger ist und sich besser bewegen kann? Dessen Auto schneller und geiler ist? Dessen Konto besser gefüllt ist? Der besser auf sich achtet und sich jugendlich fit und am Puls der Zeit hält?

Dann sind sie auf dem Holzweg. Irgendeinen dieser Faktoren erfüllt immer jemand. Und wenn er nur noch nicht das richtige Alter hat. Sie mögen vielleicht in ihrer Altersstufe und ihrem Umfeld der Hecht im Karpfenteich sein, aber der Nachfolger setzt schon den Blinker zum Überholen.

Das Schlimmste ist der Faktor Vernachlässigung bei Frauen.

Es reicht Frauen nicht, dass sie ihnen ein tolles Haus mit einer goldenen Kreditkarte dahin setzen. Frauen wollen zumindest einmal in der Woche umworben werden. Passiert das nicht, weil sie super erfolgreich sein müssen und deshalb 10-14 Stunden am Tag ranschaffen, kauft sich ihre Frau im besten Fall nur noch eine weitere Jil Sander Bluse für 2000€ und legt diese unausgepackt zu den 4 anderen baugleichen Modellen im begehbaren Kleiderschrank. Im Regelfall lässt sie sich auf das Gebalze eines Kerls ein, der ihr garantiert die Sachen gibt die sie sie braucht. Und das hat meist wenig mit Geld zu tun.

Wenn  sie eine Luftpumpe sind, die sich gerne selbstlaufende Porzellanpüppchen zuhause aufs Sofa setzen, diese Schatzi nennen und dann fröhlich weiter durch die Gegend vögeln, dann schweben sie noch mehr in Gefahr. Auch ein nettes Thema. Aber halt keines für Männer.

Wir waren dabei, dass alle Voraussetzungen für die erfolgreiche und liebevolle Aufzucht der Brut erfüllt sind. Mit bangem Grinsen freuen sie sich über das Urinal signierte Level-up im Spiel des Lebens.

Nun beginnt für sie als Mann die harte Zeit.

Die ersten 3 Monate sind die Schlimmsten. In den ersten Wochen ist der Fötus noch nicht gefestigt. Jede kleine Zwischenblutung fördert Panikattacken. Gerade bei Erstschwangeschaften. Alle naselang wird sie zum Gynäkologen gehen müssen. Und weil Mann ja gerne Beweise sieht, will er live beim Ultraschall dabei sein. Wollte ich zumindest.

Das bringt uns direkt zu …

Kapitel 3 –Der Frauenarzt

Als Mann beim Frauenarzt fiel mir als Erstes folgendes auf:  Es gibt keine Männerzeitschriften in diesen Praxen. Das neutralste Magazin war die Bunte. Wahrscheinlich haben die Zeitschriftenverleihe ein Ranking und da passen Männerzeitschriften nicht zu Gynäkologiepraxen.

Also erst einmal nicht lesen. Im Wartezimmer hatte das Schicksal eine besondere Überraschung für mich parat.

Dort  saßen die verschiedenen Stadien einer Frau wie an einer Perlenkette aufgereiht.

Die knackige junge Schönheit, die sich wahrscheinlich gerade ihre Absolutionspille abholen wollte – Modell  „du hast 3 Minuten um dir einen Baum zu suchen“

Daneben meine Frau als Hormonmonster mit Übelkeit und Geschmacksverzerrung  bei Nahrungsmitteln und deren Kombination.

Und daneben dann Oma.

Sie, als Mann sitzen nun beim Gynäkologen oder bei der Gynäkologin. Jeder Maler würde diese Fachrichtung der Medizin mit Kusshand als Angestellte nehmen, denn die können bekanntlich den kompletten Hausflur durch den Briefkastenschlitz streichen.

So, die Kalauer und Flachwitzabteilung wären damit erledigt- für dieses Kapitel.

Normalerweise sitzen in den Wartezimmern Frauen. Frauen jeden Alters.

Frauen jeden Aussehens. Ich gebe zu, ich habe durchaus auch oberflächliche Allüren.

Ich möchte diesen Beruf nun offiziell von meiner Adoleszenten-Berufswunschliste streichen. Denn ich habe die Wirklichkeit gesehen. Wenn sie die Zeit haben und ihre Frau ist schwanger, dann gehen sie mit zum Frauenarzt.

Das eine Drittel des Wartezimmers verfällt bei ihrem Anblick in sofortige nervöse Schnappatmung und verkriecht sich hinter der Gala oder dem goldenen Blatt. Das hat weniger mit der Tatsache zu tun, dass sie ausnehmend klasse aussehen und mit Ihrer Ausstrahlung den kompletten Saal erfüllen, was sie als Kerl tun, denn eher damit, dass die Damen hier nur maximal den Arzt als einziges Testosteronwesen erwarten. Das zweite Drittel registriert sie erst gar nicht um dann etwas errötend (YES!STRIKE!!) und beschämt wegzuschauen. Die restlichen Frauen sind auch schwanger und reißen ihrem Kerl wahrscheinlich gerade innerlich den Kopf ab, weil der nicht auch mal  mitkommt.

Somit haben sie das Tagessoll an Mannsein fast erfüllt. Ein paar Frauen zum Erröten gebracht und anderen Männern die Wurstkarte verschafft. Immer positiv denken.

Dann ist es soweit. Die normale Untersuchung fällt für sie flach. Also für sie als Mann. In punkto Dabeisein. Glauben sie mir, sie wollen es auch nicht sehen, dass ein fremder Kerl da zwischen den Beinen ihres Weibs fummelt.

Dann kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser lässt, aber hoffentlich noch nicht ihre Gebärende in spe. Die Ultraschalluntersuchung.

Der Bauch wird eingeschmiert mit Gleitgel und dann geht’s los. Es gibt auch noch andere Ultraschallmessungsmethoden, die ihnen ein spontanes WATISLOS?!? entlocken und sie schon mal den Hahnenkamm aufstellen lassen. Wenn der Arzt eine locker sitzende Lümmeltüte über ein ziemlich langes dünnes Gerät stülpt und damit schon in Richtung Vagina vorstoßen will. All das vergessen sie, wenn sie auf einmal diesen Beat hören. Und sehen, wie sich da auf dem Monitor etwas regt. Der Beat ist der Herzschlag.

Seit Vernehmen dieses Taktes bin ich mir sicher, dass alle, die auf Hardcoretechno stehen, nur zurück in Mamas Bauch wollen. Weil es ungefähr dieselbe BPMzahl ist. Und damit sie die Illusion vom Schweben auch stärker erleben, werden halt bunte Pillen geworfen. Manche machen das ja bekanntermaßen so exzessiv, dass sie nach ein paar Jahren auch wieder nur Brabbeln und sabbern können.

Dieses traurige Bild verdrängen wir und wenden uns einem anderen melancholischen Bild zu. Nämlich dem, das Sie selber gerade im Kopf haben, nun da Sie die Vernichtung ihrer Junggesellenzeit samt sämtlicher Rückzugsmöglichkeiten in Farbe und 3D vor sich sehen.

Wie ich vorher schon angemerkt hatte, trennt sich spätestens hier meist der Mann vom Männchen oder Jüngelchen definitiv ab, wenn sie ihre Gene das erste Mal außerhalb ihres Körpers in Aktion sehen.

Mit Erhalt dieses ersten bildhaften Beweises des neuen Lebens verabschieden sie sich von Einigem.

Vom Ausschlafen zum Beispiel. Oder vom Sportwagen. Oder von der Freiheit einfach mal auszugehen. Oder von entspannten Urlauben. Oder vom „einfach mal heute ab Nachmittag nur noch im Bett bleiben und Vermehren spielen.“

Der Mann sieht das als gegeben an und freut sich drauf. Denn wenn sie Mann sind, dann wissen sie natürlich, dass das alles  irgendwann wieder kommt. Und das das, was da entsteht und demnächst als 12V Haussirene in ihren 4 Wänden tappst, sie garantiert dafür entschädigen wird.

Andere können übrigens auf den Ausdrucken nichts erkennen. Wahrscheinlich hängt das mit der Evolution zusammen, dass nur Männer die Väter werden, auf den schwarzweiß oder Farbbildchen etwas erkennen können. Als ich die ersten Bilder von meiner Tochter mit schon ein wenig stolz geschwellter Brust meinen Kumpels hin hielt, sah ich nur ein kurzes intelligentes Aufflackern, gefolgt von einer krausen Stirn und dem endlichen „äääähhhhh wie genau muss ich das halten?“.

4.

Soweit so gut. Wir gehen davon aus, dass die ersten Wochen gut überstanden sind. Und das ist -weiß Gott-  keine Normalität. Ich habe von Fällen gehört, da wollte eine Frau ihren 4 Monate alten Fötus beerdigen lassen, weil sich kurz vorher Mutter Natur doch anders entschieden hat. Den seelischen Kollaps, den manche Frau da erfährt, wollen Sie nicht. Bestimmt nicht.

Überhaupt stehe ich der ganzen Thematik „Kinder kriegen auf Teufel komm raus!“ sehr skeptisch gegenüber. Denn das mit dem Teufel komm raus können sie wörtlich nehmen.

Tausende Pärchen denken, sie wären füreinander geschaffen, weil alles so harmonisch und knuffig ist. Und nur Mutter Natur schiebt der Komplettierung des selbst suggerierten Glücks allzu oft einen Riegel vor. Weil Mutter Natur sagt: Njet! Ihr beide schon mal gar nicht. Oder so ähnlich.

Ein ehemaliger Arbeitskollege dachte sich mit seiner Frau, dass es doch toll wäre erst einmal die Eigentumswohnung ab zu bezahlen. Als sie auf die Zielgerade einliefen und die ETW schon fertig finanziert war, dachten sich beide: Nun aber hurtig, Kinder her.

Jahrelang hielten sie sich innerlich davon ab, Nachwuchs zu zeugen, weil im Vordergrund immer die Bereitstellung der Höhle zu Aufzucht der Brut gestanden hatte.

Als es dann soweit war und man mit der Vermietung der Wohnung das Haus abbezahlen wollte, stellte sich die Natur quer und fing an vehement rum zu zicken. Es passierte nichts. Und vielleicht war es auch gut so, dass nichts passierte. Man weiß es nicht. Jedenfalls machte der natürliche Weg keinen Sinn. Auch mit künstlicher Befruchtung funkte es nicht. Obwohl beide nachweislich kerngesund und voll zeugungsfähig waren. Woran mag es dann liegen?

Jedenfalls reihten sie sich in die lange Reihe der Paare ein, die auf eine künstliche Schwangerschaft bauen. Weil es für sie einen Unterschied macht, ob man das eigene…also das Wesen mit den eigenen Erbinformationen aufzieht oder ein fremdes. Viele Väter sind bis heute immer noch im guten Glauben, dass es IHR Nachwuchs wäre, den sie da groß ziehen. Selten so gelacht. Wenn Frau sich auf ihre Natur verließ und den grandiosen Stecher als würdig betrachtete ihre Eizelle zu befruchten, der aber sozial eher in die Nietenkategorie gehört, dann wird der gutmütige „Wuffel“ schon mal hinters Licht geführt.

Ein anderes Extrem sind Pärchen, die es erst gar nicht darauf anlegen, dass sie diese extrem anstrengende und schöne Zeit durchlaufen, sondern freuen sich über die Globalisierung, die ihnen 10 Monate Stress ersparen hilft. Ich rede vom Kinderkauf. Irgendwo im Armenhaus dieser Welt ist bestimmt ein kleines Würmchen, dem es doch total gut gehen könnte, wenn es in einen DInKhaushalt eingeführt wird. Und die braune oder gelbe Hautfarbe passt doch auch hervorragend zum Einrichtungsstil. Außerdem kann man doch herrlich seinen Nihilismus befriedigen, wenn man schon aus 50m Entfernung zeigt, dass man wohltätig ist. Ein kaukasisches Kind macht da eher wenig her. Oder womöglich eins aus heimischen Waisenhäusern. Wer weiß schon, aus welchen Verhältnissen die kleinen Würmer kommen und welche Krankheiten sie womöglich haben. Nein, ein angeliefertes Kind aus Afrika oder Südostasien macht da mehr Sinn  und ist auf Herz und Nieren durchgecheckt. Dann wirkt der afrikanische Einrichtungsstil auch gleich viel authentischer. Wenn dann auch noch eine kleine süße Kaffeebohne umher wuselt.

5. Praktische Planungsumsetzung

Bei meiner Frau und mir dauerte es vom Entschluss „Komm lass uns ma probieren, obs klappt“ bis zu „Schau mal Schatz, es ist ein…Kreuz“ ungefähr 2 Monate. Diese knapp zwei Monate betrachte ich bis heute ziemlich zwiespältig. Vordergründig war ich froh, dass ich auf einmal 3-4-mal die Woche animiert wurde. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt schon über das ehemals Paulische Modell der Modul-Ehe hinaus. 8 Jahre mit ein und derselben Frau zusammen. Meine Frau als beinahe schon gierig darauf zu erlben war eine völlig neue Facette. Die mir zwischenzeitlich durchaus etwas Angst machte. Wenn Frauen wollen und das Wollen auch in Ergebnissen enden soll, dann werden sie fast schon manisch. Also meine zumindest. Wer schon mal eine nymphomanisch veranlagte Frau hatte, weiss ungefähr wovon ich spreche. Das kann am Anfang die Erfüllung aller männlichen Träume sein, aber wenn sie nach drei Monaten von der Arbeit erschlagen nach Hause kommen und wissen, dass ihnen direkt nach Eintritt schon die Hose aufgerissen wird, dann endet das schon mal in einem „Schatz ich hab Kopfweh und dagegen hilft mir im Moment nur Bier/Kaffee und die Couch““ von männlicher Seite.

Da spielt sich so manches ein und so manches verfällt in den Trott. Was nichts Schlimmes bedeuten muss, denn Rituale sind wichtig. Nach dem anfänglichen „i wanna be a Pornstar“-Geübe kommt ja automatisch das, was man Gefühl nennt. Also wenn es die richtige Frau ist. Sex mit anderen, so aufregend er auch erscheinen mag, fällt in der Wertigkeit erst mal hinten ab. Denn innen sind sie ja bekanntlich alle rosa. Ging zumindest mir so. Wie ein guter Freund mitteilte: „ Hast du durch einen Stadtteil erst mal eine Schneise gefräst, wird’s nur noch Routine.“

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