Der Gemaux wird hier und heute eine Lanze brechen. Und zwar für Mütter und Hausfrauen. Denn der regelmäßige Besucher dieser, Gemaux erlaubt sich es aufzutippen, Lesegenußseite, hat schon bemerkt, dass der Gemaux Hausmann von Schicksals Gnaden ist. Oder doch eher Schicksals Fluch. Entscheiden Sie selbst.
Ziemlich regelmäßig treffen sich der Gemaux und seine Freunde zu einem gemütlichen Abend im Stammlokal ihrer Wahl zum Speisen und Verzehren verschiedener Gerstenaufgüsse. Beim solch einem Hopfenkaltschalengenuss kam einer der Freunde des Gemaux auf den Gedanken und stellte diesen sogleich als Behauptung in den Raum, dass der Gemaux, sollte er wieder in Lohn und Brot stehen, nach 3 Monaten einen Burn-out erleidet. Der Gemaux überlegte kurz und bestätigte diese Behauptung im Zuge des friedlichen Beisammenseins und der dann geltenden Regeln. Wie sollte sein Freund sich auch der Tatsache bewusst sein, dass die Aufzucht der Brut und die Versorgung und Instandhaltung der heimischen Höhle ganz anders ist, als er es sich ausmalen kann. Nun ist es nicht so, dass der Gemaux nie gearbeitet hätte.
Als Holzfäller schaffte es der Gemaux sogar, nach seinen abgeleisteten Stunden im Forst noch ein Zubrot durch Kellnerei zu erarbeiten. Das macht rein rechnerisch einen 16-Stunden-Tag. Wobei der Gemaux dort noch zuhause bei seinen Eltern weilte. Und auch später als er die eigenen 4 Wände bezogen, dieselben nur sauber zu halten hatte.
Und auch später als der Außendienst die monetäre Grundversorgung durch einen „Job“ ausreichend machte, war der Gemaux arbeitsam und fleißig nach allgemein gültigen Grundsätzen. Ja, durch die Hardcore-Variante des Verkaufs –der Kaltakquise- schaffte es der Gemaux trotz seiner 20-30 „Neins“ am Tag noch Spaß am Leben zu haben.
Doch eins unterschied diese Tätigkeiten weitgehend von der heutigen, die der Gemaux mit zig anderen Frauen und Männern gemein hat.
Ein Tag mit Kind beginnt direkt ab dem Erwachen mit 100% Leistung. Wenn die Stammhalterin wach ist, will sie die volle Aufmerksamkeit. Und zwar bis zum Erreichen der Mittagszeit. Durchgängig ohne Pause. Kein langsames aus dem Bett rollen, mit schlaftrunkenem Blick zur Kaffeemaschine schlurfen und sich dann erst einmal in Ruhe duschen. Mit Kind ist dies so nicht möglich. Denn bevor man selber erst einmal die gefüllte Blase erleichtert ist es ratsam, die Hinterlassenschaften des Windelmonsters der Nacht zu beseitigen. Will man nicht den Rest des Tages mit einem Quengelmonster verbringen. Und dies sollten sie hellwach erledigen, sonst zieht es sich noch weiter in die Länge. Also erst einmal die Haussirene anziehen. Dann in die Küche und Frühstück bereiten, denn ein Kind braucht Rituale an denen es sich orientieren kann. Also kein geruhsames Vorglühen und angenehmes Erwachen um in den Tag zu starten. Zu diesem Zeitpunkt bleibt ihnen höchstens die Möglichkeit etwas Saloppes anzuziehen. Sollte man dann den Wunsch verspüren vorher noch zu duschen, steht man unweigerlich vor dem Problem: Wohin mit dem Kind? Entweder man nimmt es mit in die Dusche, was zur Folge hat, dass das übliche Wachwerden unter sanften warmen Wasserstrahlen so nicht machbar ist, weil das Kind maximal 37 Grad Wassertemperatur erträgt (diese Gradzahl empfinden sie als kalt) oder sie gehen das Risiko bemalter Wände und ausgeräumter Schränke ein und überlassen das Kind erst einmal sich selbst. Und sie wissen erst, wenn es passiert ist, was Kinder in 15 Minuten alles bewerkstelligen können. Der Gemaux machte diese Erfahrung ziemlich früh und nimmt seit dem lieber seine Tochter mit zum Duschen. Denn sich selbst nicht so richtig pflegen ist immer noch besser, als jeden Monat Wände zu streichen.
Ohne Kind gehen sie nun zur Arbeit oder setzen sich in ihr Home-Office um den Arbeitstag bei einer gemütlichen Tasse Kaffee zu beginnen. Vorher checken sie entweder die Emails oder klönen noch mit ihren Kollegen. Der Tag beginnt geruhsam und entspannt, weil bis jetzt noch kein Muss herrscht, beziehungsweise Alternativen in Sicht sind.
Mit Kind haben sie nun die Aufgabe, dieses zu bespassen. Es soll viele Eltern geben, die vor dieser Aufgabe nach kurzer Zeit kapitulieren und den Sprössling vor die Flimmerkiste setzen. Das hat zur Folge, dass das Kind die Bedienung der Multimediaeinrichtung schnell beherrscht und Toggo.de und Kika sagen kann. Aber sonst nichts mehr. Unkontrolliertes Fernsehen ohne elterliche Führung macht ihre Blagen blöd. Wenn es der geldliche Rahmen erlaubt, werden sie ihr Kind mit zum Kinderturnen, zu Krabbelgruppen, oder in den Vorkindergarten zerren müssen. Denn sie wollen ja kein PISA-Opfer erhalten. Oder ihre Wohnung-ihr Haus- sieht nach kurzer Zeit aus wie eine Filiale von Toys r’ us oder Haba.
Ohne Kind verbringen sie den Tag im Büro, lassen sich ab und an vom Chef besuchen und zurechtweisen und erledigen ihre Aufgaben. Dieses verschafft ihnen Genugtuung und Anerkennung. Sollte es ihnen zu stressig werden, dann machen sie halt eine Pause und surfen fremd oder setzten einen Fuß vor die Bürotür (oder erledigen halt die äquivalenten Tätigkeiten als Handwerker oder Arbeiter) Wie dem auch sei, dieser Tag unterliegt weitestgehend ihrer Bestimmung.
Mit Kind haben sie sich der Fremdbestimmung zu unterwerfen. Denn das Gezeter eines zweijährigen Monsters ist ungleich stressiger als das ihres Chefs. Gemaux weiß wovon er spricht. All die Gelegenheiten wo sie Kontakt mit einem Arschlochchef oder miesen Kollegen hatten sind ein lauwarmer Katzenfurz gegen den seelischen Terror, den ein Kind ausüben kann. Denn vor ihnen steht die personifizierte narzisstische Egomanie. Viele Eltern gehen auch hier den Weg des geringsten Widerstands und besänftigen das Kind in dem sie alle Wünsche erfüllen. Das kann dazu führen, dass man in der FuZo schon mal von der Polizei in Gewahrsam genommen wird. So passierte es einer Rechtsanwältin, die ihrer Tochter nicht wiedersprechen konnte oder wollte, dass es sich trotz eisiger Temperaturen nichts anziehen lassen wollte. Denn Kinder haben Macht über sie. Ihrem Chef können sie innerlich immer noch den Stinkefinger zeigen und geistig auf ihn eintreten. Aber ihr Kind ist ihr Kind und hat einen höheren Stellenwert in ihrem Gefühlshaushalt als Gott. Und das alles tun sie nur, damit ihr Balg sie einmal kurz anlächelt.
Ohne Kind gehen sie irgendwann zur Mittagszeit etwas essen und verbringen eine Stunde oder eine halbe damit ihre Seele zu pflegen.
Mit Kind haben sie im besten Fall das Mittagessen vorbereitet. Wobei sie hier eine Hand am Herd und ein Auge auf das Kind haben. Immer bereit den Stift aus der Nase zu ziehen, oder zu verhindern, dass ihr Kind die Schluckmuskelstärke an Holzkugeln und anderem Spielzeug testet. Wenn das Monster dann gespeist hat, haben sie noch nichts zu sich genommen. Gemaux nimmt gerade deutlich ab, weil er selber nur das zu sich nimmt, was seine Tochter übrig lässt. Denn man kommt nicht dazu selber zu essen. Weil das Essen des Kindes garantiert zu heiß, der Löffel zu groß oder der Teller zu doof ist. Dann erst kommt ihr Glücksmoment. Nämlich wenn das Kind müde wird und nun gerne ein Mittagsschläfchen halten möchte. Aber selbst dieser wird zunichte gemacht, weil Gemaux meist noch eine Minute dabeisitzen muss, oder eine Trinkflasche fertig machen muss, oder weil das Stofftier im Bett gerade spontan in Ungnade gefallen ist und nun ein anderes aus einem anderen Raum geholt werden muss. Ist das Kind dann eingeschlafen, haben sie endlich Zeit. Und zwar zum Putzen. Gut, man kann diese Zeit auch für sich nutzen. Das setzt dann aber Kompromissbereitschaft bei sich selbst und vom Partner voraus, da die Wohnung dann garantiert nicht reinlich ist. Also wieder nichts mit Zeit für sich selbst.
Ohne Kind gehen sie nach getaner Arbeit nach Hause und lassen das Büro-die Werkstatt hinter sich und haben Feierabend. Oder sie gehen, wie im Fall meines hier zitierten Freundes einer Nebenbeschäftigung zwecks Aufbaus einer eigenen Werbeagentur nach. Aber dies machen sie dann auch nur für sich. Es ist immer noch grundsätzlich kein Muss.
Mit Kind haben sie nach Erwachen desselbigen die Aufgabe auch nachmittags zu100% aufmerksam und da zu sein. Mit Kind endet ihr „Arbeitstag“ bestenfalls mit Erscheinen des berufstätigen Partners, der sich der Brut dann annehmen kann, weil es so herrlich entspannend ist, nach dem harten Tag im Büro. Aber im Grunde endet ihr Tag erst mit dem Einschlafen des Kindes am späten Abend. Dass heißt im Regelfall 12 Stunden durch powern. Ohne, dass sie mal im Internet surfen konnte, die Zeitung lesen, sich mit anderen Menschen unterhalten oder Lob und Anerkennung vom Chef/bzw. der Kollegen erarbeiten konnten. Und ohne am Ende des Monats ihre Belohnung in Form von Zahlen auf dem Konto für ihre achso harte Arbeit zu erhalten. Sondern mit dem, was ihnen der Partner an Haushaltsgeld oder Taschengeld überlässt. Bzw. wenn sie es wie der Gemaux schaffen durch das Vorhandensein von Großeltern im Haus ab und an etwas nebenher zu verdienen.
Fazit: Der Gemaux geht mit freudigem Jauchzen in die Zielgerade (Kindergarten) um sich wenigstens halbtags wieder einer geldbringenden Tätigkeit zu widmen und beim Bearbeiten von Schriftstücken zu entspannen und freut sich wie Bolle auf Kundengespräche. Und eins, weiss der Gemaux jetzt schon. Er wird garantiert nur müde lächeln über den „Stress“ auf der Arbeit.
Des Gemaux Hochachtung gilt allen Hausfrauen und –Männern. Tiefsten Respekt hat der Gemaux auch vor alleinerziehenden Müttern und Vätern die NIEMANDEN haben der ihnen den Stress erleichtert.
Soweit ist es gekommen. Gemaux freut sich auch auf das nächste Beisammensein, wenn das Jammern und Wehklagen seines luftpumpenden Freundes wieder ertönt, dass er soviel Stress hat, aber der Gemaux ja „nur“ Hausmann ist.
Sollten Sie dies im Büro lesen und zuhause versorgt ihr Weib oder Mann Kind und Höhle, dann gehen sie mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause, nehmen ihren Partner in den Arm und helfen ihm/ihr in den letzten Stunden, bevor das Kind einschläft! Das ist ein Befehl!
Schönen Wochenanfang
Gemaux
Neueste Kommentare