Es gibt für den Gemaux eine Höchststrafe im partnerschaftlichen Zusammenleben. Diese hat sogar einen Namen und wurde in Schweden erfunden. IKEA. Nicht nur, dass sich der Gemaux seit mittlerweile 1,5 Jahren mit der Grundsanierung/-renovierung einer Wohnung in einem Bauernhaus von 1831 befasst. Nein, nachdem die Höhle nun ausgefegt, ausgebaut und mit frischen Wandmalereien verschönert wurde- muss sie ja auch noch hergerichtet werden. Frische Tierfelle würden Unbill bei den örtlichen Tierschützern sorgen und die Mädels vom Tierheim würden auch etwas pikiert sein, wenn man kontinuierlich auftaucht und unverbindlich nach Bernhardinern, großen Katzen und Kaninchen fragt.
Die meisten Möbel hat man ja auch schon erstanden, dass erspart zumindest die Herausräumorgie aus dem vorher bewohnten und nun zu kleinen Backhaus. Und für die Accessoires gibt es einen Wallfahrtsort für die dekoratorisch nicht ganz unbedarften Frauen. Eben das blaue Höllentor mit der gelben Aufschrift.
Da ich aber nicht alleine leiden wollte, wählte ich nicht den naheliegendsten Höllenpfuhl sondern einen der eine etwas längere Autofahrt beinhaltete. Sollte sie wenigstens mitleiden auf der Fahrt. Passend wäre AC/DC im Radio gewesen. Aber man kann nicht alles haben und Gitarrensaitenmördermusik kommt mir nicht auf die Festplatte.
Also hinein ins Nippesparadies. Die kleine Haussirene frohlockte schon beim Eingang ob des zu betretenden Märchenwaldes, Smäland genannt.
Leider erst für Kinder ab 3 Jahren. Schien aber auch insgesamt nicht der Bringer gewesen zu sein, weil alle 5 Minuten der Kevin-Lars-Paul oder die Hellen-Jeany abgeholt werden wollte.
Und so liess sich der Gemaux auf den Höllentrip ein und folgte sorgsam den geschickt angebrachten Bodenmarkierungen. Immer begleitet von dem freudigen “ Schatz, das wäre doch auch eine nette Idee!“
der Ehefrau und dem Quietschen des Nachwuchses bei all den bunten Sachen. Das Ganze wurde von einem passenden Soundtrack untermalt. Jeder Horrorfilm hat seine passende Musik. In meinem Fall war es Bon Jovi.
Um das erste Wickeln der Knödellieferantin kam ich noch herum. Was eventuell ein Segen ist. Nun waren wir ziemlich spät dort und fielen auf die falschen Versprechungen und Einflüsterungen der Großmutter des Teufels herein, die da lautete:“Abends keine Lust mehr zu kochen? Heute in der Cafeteria Schnitzel mit Champignonrahmsauce und Pommes Frites nur 5,90€“
Welch glücklicher Umstand dachte sich Gemauxens Frau und auch der Gemaux selber frohlockte in Erwartung der guten Schwedischen Kost.
Einmal Bandnudeln mit Schweinegeschnetzeltem für das Weib und den Nachwuchs und einmal Hähnchen mit Wildreis für den Erzeuger.
Die Gläser zum immer wieder Nachfüllen bereitgestellt und einen Becher Kaffee dazu und los geht’s.
An der Warmhaltetheke angekommen, wird man begrüßt von einem griesgrämigen verwachsenen Dämon mit slawischen Akzent und ziemlich unhöflichem „Das Ende der Schlange ist aber da!“. So sieht gelungene Integration also aus, denkt sich Gemaux und fragt ob es ein Problem darstellt, wenn man von zwei Seiten hierauf treffen kann und somit nicht klar ersichtlich ist, wo jetzt genau das Ende ist. „Ihre Seite ist die Kuchentheke“ schallt es hinüber und ich Gemauxens Halsschlagader schwillt schon leicht an.
Damit der Nachwuchs auch abgelenkt ist, hat IKEA auch beim Essen für die Kleinen gesorgt. Kaum ist das Mahl aus Pappe- artigem Reis und Plastik-Hühnchen eingenommen, da fragt die holde Angetraute ob man die Nudeln noch aufessen möchte. Die ersten Bilder die beim Schnüffeln an dem Geschnetzelten auftauchen beinhalten ein Wildschweingehege mit viel grunzendem Inhalt und kürzlichem Regenguss. Könnte aber auch daran liegen, dass Wildschweine nach Maggi stinken. Oder das Liebstöckel (also das Maggigewürz) nach Wildschwein stinkt. Also lehnt Gemaux erst einmal ab und wendet sich der spielfreudigen Tochter zu um seine Aufsichtspflicht nicht zu vernachlässigen.
Als man sich abwechselt zur Beaufsichtigung kann ich gerade noch einen osmanischen Sprössling davon abhalten, dass er nach der Apfelschorle meiner Frau sich auch noch den Nachtisch meiner Tochter einverleibt. Mit etwas härterem Griff schnappe ich mir das Bürschchen und suche nach der Mutter, oder zumindest einer Aufsichtsperson die bekannt ist mit dem kleinen Mundräuber. Wie durch Zufall meldet sich natürlich keine und nach einer Ermahnung und ziemlich deftigen Flüchen auf Türkisch schicke ich den erbleichten Jungen von dannen. Man hat sich ja angepasst.
Soviel zum entspannten Einkauf.
An der Kasse das ewige Drama. Und ein leichter Duft. Die Ikea-Kost scheint eine durchschlagende Wirkung zu haben. Zumindest bei meiner Tochter. Und der ein oder andere ist auch schon leicht grün um die Nase. Also war es doch die Bestrafung für Völlerei die dort vollzogen wurde. Gemaux schnappt sich die Kleine und verschwindet samt Wickelsachen Richtung Männerklo. Denn dort hängen auch Wickeltische. Praktisch. Und verwirrend.
In den 5 Minuten Wickeln drehen sich genau 6 Männer mit rotem Kopf auf dem Absatz herum und gehen wieder, weil sie denken, sie sind falsch. Eigentlich wollte der Gemaux aus dem neu gewonnenen Spaß noch mehr heraus ziehen und einen der Eintretenden bitten ihm kurz zur Hand zu gehen. Aber Gemauxens Töchterchen macht schon wieder Randale und möchte weitergehen, also verlasse ich die Örtlichkeit nach erfolgreicher Säuberungsaktion in Arschstinkistan.
Und auf dem Rückweg lief im Radio Stairway to heaven.
Passte dann auch wieder.
Schöne Woche wünscht Gemaux
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