Höchststrafe

5 03 2008

Es gibt für den Gemaux eine Höchststrafe im partnerschaftlichen Zusammenleben. Diese hat sogar einen Namen und wurde in Schweden erfunden. IKEA. Nicht nur, dass sich der Gemaux seit mittlerweile 1,5 Jahren mit der Grundsanierung/-renovierung einer Wohnung in einem Bauernhaus von 1831 befasst. Nein, nachdem die Höhle nun ausgefegt, ausgebaut und mit frischen Wandmalereien verschönert wurde- muss sie ja auch noch hergerichtet werden. Frische Tierfelle würden Unbill bei den örtlichen Tierschützern sorgen und die Mädels vom Tierheim würden auch etwas pikiert sein, wenn man kontinuierlich auftaucht und unverbindlich nach Bernhardinern, großen Katzen und Kaninchen fragt.

Die meisten Möbel hat man ja auch schon erstanden, dass erspart zumindest die Herausräumorgie aus dem vorher bewohnten und nun zu kleinen Backhaus. Und für die Accessoires gibt es einen Wallfahrtsort für die dekoratorisch nicht ganz unbedarften Frauen. Eben das blaue Höllentor mit der gelben Aufschrift.

Da ich aber nicht alleine leiden wollte, wählte ich nicht den naheliegendsten Höllenpfuhl sondern einen der eine etwas längere Autofahrt beinhaltete. Sollte sie wenigstens mitleiden auf der Fahrt. Passend wäre AC/DC im Radio gewesen. Aber man kann nicht alles haben und Gitarrensaitenmördermusik kommt mir nicht auf die Festplatte.

Also hinein ins Nippesparadies. Die kleine Haussirene frohlockte schon beim Eingang ob des zu betretenden Märchenwaldes, Smäland genannt.

Leider erst für Kinder ab 3 Jahren. Schien aber auch insgesamt nicht der Bringer gewesen zu sein, weil alle 5 Minuten der Kevin-Lars-Paul oder die Hellen-Jeany abgeholt werden wollte.

Und so liess sich der Gemaux auf den Höllentrip ein und folgte sorgsam den geschickt angebrachten Bodenmarkierungen. Immer begleitet von dem freudigen “ Schatz, das wäre doch auch eine nette Idee!“
der Ehefrau und dem Quietschen des Nachwuchses bei all den bunten Sachen. Das Ganze wurde von einem passenden Soundtrack untermalt. Jeder Horrorfilm hat seine passende Musik. In meinem Fall war es Bon Jovi.

Um das erste Wickeln der Knödellieferantin kam ich noch herum. Was eventuell ein Segen ist. Nun waren wir ziemlich spät dort und fielen auf die falschen Versprechungen und Einflüsterungen der Großmutter des Teufels herein, die da lautete:“Abends keine Lust mehr zu kochen? Heute in der Cafeteria Schnitzel mit Champignonrahmsauce und Pommes Frites nur 5,90€“

Welch glücklicher Umstand dachte sich Gemauxens Frau und auch der Gemaux selber frohlockte in Erwartung der guten Schwedischen Kost.

Einmal Bandnudeln mit Schweinegeschnetzeltem für das Weib und den Nachwuchs und einmal Hähnchen mit Wildreis für den Erzeuger.

Die Gläser zum immer wieder Nachfüllen bereitgestellt und einen Becher Kaffee dazu und los geht’s.

An der Warmhaltetheke angekommen, wird man begrüßt von einem griesgrämigen verwachsenen Dämon mit slawischen Akzent und ziemlich unhöflichem „Das Ende der Schlange ist aber da!“. So sieht gelungene Integration also aus, denkt sich Gemaux und fragt ob es ein Problem darstellt, wenn man von zwei Seiten hierauf treffen kann und somit nicht klar ersichtlich ist, wo jetzt genau das Ende ist. „Ihre Seite ist die Kuchentheke“ schallt es hinüber und ich Gemauxens Halsschlagader schwillt schon leicht an.

Damit der Nachwuchs auch abgelenkt ist, hat IKEA auch beim Essen für die Kleinen gesorgt. Kaum ist das Mahl aus Pappe- artigem Reis und Plastik-Hühnchen   eingenommen, da fragt die holde Angetraute ob man die Nudeln noch aufessen möchte. Die ersten Bilder die beim Schnüffeln an dem Geschnetzelten auftauchen beinhalten ein Wildschweingehege mit viel grunzendem Inhalt und kürzlichem Regenguss. Könnte aber auch daran liegen, dass Wildschweine nach Maggi stinken. Oder das Liebstöckel (also das Maggigewürz) nach Wildschwein stinkt. Also lehnt Gemaux erst einmal ab und wendet sich der spielfreudigen Tochter zu um seine Aufsichtspflicht nicht zu vernachlässigen.
Als man sich abwechselt zur Beaufsichtigung kann ich gerade noch einen osmanischen Sprössling davon abhalten, dass er nach der Apfelschorle meiner Frau sich auch noch den Nachtisch meiner Tochter einverleibt. Mit etwas härterem Griff schnappe ich mir das Bürschchen und suche nach der Mutter, oder zumindest einer Aufsichtsperson die bekannt ist mit dem kleinen Mundräuber. Wie durch Zufall meldet sich natürlich keine und nach einer Ermahnung und ziemlich deftigen Flüchen auf Türkisch schicke ich den erbleichten Jungen von dannen.  Man hat sich ja angepasst.

Soviel zum entspannten Einkauf.

An der Kasse das ewige Drama. Und ein leichter Duft. Die Ikea-Kost scheint eine durchschlagende Wirkung zu haben. Zumindest bei meiner Tochter. Und der ein oder andere ist auch schon leicht grün um die Nase. Also war es doch die Bestrafung für Völlerei die dort vollzogen wurde. Gemaux schnappt sich die Kleine und verschwindet samt Wickelsachen Richtung Männerklo. Denn dort hängen auch Wickeltische. Praktisch. Und verwirrend.

In den 5 Minuten Wickeln drehen sich genau 6 Männer mit rotem Kopf auf dem Absatz herum und gehen wieder, weil sie denken, sie sind falsch. Eigentlich wollte der Gemaux aus dem neu gewonnenen Spaß noch mehr heraus ziehen und einen der Eintretenden bitten ihm kurz zur Hand zu gehen. Aber Gemauxens Töchterchen macht schon wieder Randale und möchte weitergehen, also verlasse ich die Örtlichkeit nach erfolgreicher Säuberungsaktion in Arschstinkistan.

Und auf dem Rückweg lief im Radio Stairway to heaven.

Passte dann auch wieder.

Schöne Woche wünscht Gemaux





Der Ehering

1 10 2007

Ein Ring sie zu finden…..

Der Tolkien, der schlimme Finger, hatte bestimmt an eine schlecht laufende Ehe gedacht als er weiter dichtete.“ Ins Dunkel zu treiben, auf Ewig zu binden“. Es gibt Situationen im Leben eines Mannes, da gelangt man schnell auf diesen Gedanken glaube ich.

Mir öffnen sich kleine Schaulöcher in diese Gefühlswelt, wenn ich mit meinen Freunden zum „Stammtisch“ gehe. Mittwochs meist, weil dann die Musik lauter ist in unserem Roadstop Cafe/Bar/Grill. Und natürlich das Publikum exquisiter. Da gibt sich dann die High-Society und deren Fans die Ehre. Sehr beschaulich, wie all die meisten Jungs nur Opfer einer Zeitschrift sind, die auf ihren Titelblättern seit Jahren nur zwei Schlagzeilen hat.

„Waschbrettbauch in 2 Monaten!!! egal wie gross der Speckmantel ist!!“ und “ so kommt sie 40 mal in 15 Minuten.“

Sie haben es vielleicht gemerkt, ich meine die Männer Gesundheit. Meine These ist ja, dass die Redaktion aus, entweder, aus Frauen umgewandelten Männern besteht, oder die da gezeigten Männer nur die Ehemänner der Redakteurinnen der Brigitte sind. Denn so liest sich Deutschlands (laut Selbstauskunft) grösstes Männermagazin.

Ich gebe zu -ich war zum Erst-Erscheinungstermin dieses Blättchens ein Abonnent. Früher las ich „Tempo“ und nach der Einstellung dieser genialen Zeitschrift sass ich als Mann zeitgeistmässig auf dem Trockenen. „du liesst dich nur betören, um irgendwas zu hören“ singen die Fantas. Bei mir wars dann das Lesen. Für den Spiegel fühlte ich mich noch zu jung und zu oberflächlich. Der Playboy war langweilig. Dann kam MH und die Welt war wieder in Ordnung. Wobei ich mich damals schon fragte, wo man die 48 Stunden Tage buchen kann, um jeden Tag hart zu arbeiten-trainieren-ficken. Und das bis ins hohe Alter. So wird es propagiert. Das stresste mich dann zu sehr und bot zuviel fürs Spiegelbild, aber zuwenig für meine Augen und meine Fantasie. Seitdem greife ich ab und zu zu der FHM.

Erst letztens wurde so eine MH-Luftpumpe wieder schön abserviert von einer gestandenen Frau mit Kind. Die Freundin meiner Frau und unsere Trauzeugin hatte sich von ihrem Extremfall-Mann verabschiedet, in einer Nacht und Nebelaktion zogen wir sie aus ihrer Wohnung heraus.

Dann lachte sie sich einen Fotografen an. Typischer MH Leser. Anfang 40, schlank durchtrainiert, kulturell sehr auf dem Laufenden und nicht unvermögend. Noch dazu kinderlieb und auch direkt von ihrem“Zappelphillip“-Syndrom befallenen 10 jährigem Sohn akzeptiert. Weil er Beetle Cabrio fuhr. Da piepte zu erst mein Echolot für die menschlichen Tiefen auf.

Ein Mann fährt definitiv kein Beetle Cabrio. Egal ob der in schwarz und mit beigefarbenen Ledersitzen ausgestattet ist. Selbst eine Zigarre in der mitgelieferten Vase macht einen Beetle nicht zu einem männlichen Auto. EinNewBeetle vermittelt keine Männlichkeit. Dieses Auto spielt mit dem Kindchenschema! Damit kann Mann nix anfangen. Es sei denn er wohnt in Köln.
Die ersten paar Wochen hatten die beiden wohl auch herbe Schwierigkeiten in Sachen Sex. Gut das es für solche Totalausfälle blaue Pillen gibt. Vor der Erfindung dieser Pillen wäre so eine Lusche komplett aus dem Genpool und all seinen Amusements heraus katapultiert worden. Emanzipation sei Dank gibts nun auch für solche Nieten einen Grund weiter auf Frauenschau zu gehen. (Eventuell auch ein Grund, warum Emanzen gerne Weichmännchen haben wollen?)

Wir sitzen also im Roadstop bei unserem Bier und dem halben Schwein als Fingerfood in Sparerib-Form vor uns und ich denke bei mir, daß ich selbst wenn ich es wollte, nicht verbergen könnte, daß ich verheiratet binund MH noch nicht mal mehr in der Tanke im Vorbeigehen beachte. Selbst das noch so kleinste Blödchen schaut immer noch als ersts auf die rechte Hand um zu schauen, ob da ein goldener Ring sitzt.

Sowas checken Frauen anscheinend genauso schnell, wie wir Männer instinktiv die Form der Brüste abschätzen können, selbst wenn sie verpush-upped sind. Wenn ich den Ring abnehme, hat dieser sich schon eine Rille in den Finger gefräst. Selbst jetzt wo ich den Ring ohne weiteres leicht vom Finger ziehen kann.
Also die Haut ist deutlich heller und glatter in dem Bereich wo der Ring sitzt. Abgesehen von der Schwiele die sich auf dem Handballen am Ringfinger gebildet hat.
Dann schau ich mich um in dem Ladenund blicke auch mal auf die Ringfinger der rechten Hand bei den stylischen Typen die irgendwie alle so uniform wie der impotente Fotograf ausschauen und entdecke …nichts. Von denen ist garantiert keiner verheiratet.

Aber warum machen die alle den Eindruck, daß sie auf der Suche nach der ultimativen Frau sind? Ändert die MH neuerdings da jeden Monat die Richtlinien, oder warum kann sich keiner von denen binden? Oder will? Könnte ja im nächsten Monat schon wieder out sein, die Gute. Oder hecheln sie der Quotenerfüllung hinterher? Jungs, wenn die erste Million zu schwer ist- fangt doch direkt mit der zweiten an. Dann braucht ihr euch auch über den Waschbrettbauch keine Gedanken mehr machen, denn dann kommen die Weibchen die sowas für das Allerwichtigste halten und in der MH favourisiert werden von ganz allein.

Vielleicht mache ich auch einfach nur etwas falsch, daß ich diesen ganzen Maximen nicht folge und entspannt vor mich hin lebe. Wer weiss das schon. Sie?

Grüßend und schönen Wochenanfang wünschend.

Gemaux