Der Gemaux dachte sich, dass es doch spassig wäre, der nördlichsten deutschen Insel noch einen Besuch abzustatten, bevor sie im Meer versinkt.
Diese Perle in der Nordsee, Erholungsheim für Jetset und Wohlbetuchte und Wannabes ist allemal einen Besuch wert, dachte sich der Gemaux. Auf gut Glück wurde ein kleines Ferienappartement gebucht in Tinnum, dem Arbeiterviertel oder auch Westerlands Industriegebiet genannt.
Kein Vergleich zum Nobelort Kampen oder Keitum, wo eine Doppelhaushälfte mit Reetdach schon mal für 2,5 Mio € angeschlagen wird. Oder wo das Appartement in Westerland mit renovierungsbedürftigen 45qm immer noch 175T€ kostet. Hier ist man unter sich. Da wird man schon mal gerne von den Domestiken ignoriert, wenn man nicht in der vorherrschenden RalphLauren/Burberry Uniform ein Krabbenbrötchen bestellt.
Sylt ist gegensätzlich. Wo man noch Sylt hat, also in Morsum, Hörnum zum Beispiel lässt es sich vortrefflich Urlauben.
Am Besten man leiht sich (um nicht aufzufallen) eine Golfklasse für den Urlaub aus. Also einen SLK. Oder einen Porsche .
In dem Urlaub kam der Gemaux aufgrund der Wetterlage, die man ärgerlicherweise immer noch nicht nach seinem gusto bestellen und bezahlen kann, viel zum Lesen. Unter anderem frass er sich als Kontrastprogramm zu Ken Folletts zweiten Teil der Erdensäulensaga auch durch das Büchlein von Herrn Wiedeking . Um den Chef des Konzerns der meistvertretenen Automarke in Kampen mal näher kennen zu lernen.
Der Westfale, der sich anschickte die Wirtschaft zu verändern. Der Gemaux hatte bisher immer den leisen Verdacht, dass es abseits vom ausgetretenen Shareholder-Value Pfad noch einen anderen – erfolgreicheren- Weg geben muss um in Deutschland gewinnbringend und langfristig zu wirtschaften und fand in dem Ahlener-Porschechef seine Bestätigung.
Seltsam offen für den Chef eines Konzerns beschreibt Herr Wiedeking den Weg wie er aus dem maroden Spassmobilhersteller eines der rentabelsten Unternehmen gemacht hat. Fast glaubt man, er müsste seinem Namensgeber Widukind nacheifern, der vor ein paar Jahrhunderten sich standhaft gegen die Christianisierung des grossen Karls gewehrt hatte und die Glaubensfreiheit und Vielseitigkeit der damaligen Stammesverbände verteidigte. Gut, die Stadt Minden ist Beweis dafür, dass er letztendlich unterging und sich nach etlichen tausend rollenden Köpfen an der Weser auch taufen liess. Dieses Schicksal wird dem Sportwagenhersteller wohl erspart bleiben.
Genau eben dieses Schicksal prophezeiten viele vermeintliche und selbsternannte Analysten der Finanzbranche dem Porschevortänzer, auch in vielleicht völliger Unkenntnis zum Geschichtlichen. Wie sehr alle aufjaulten, als er es wagte mit einem kleinen Familienunternehmen den Großkonzern VW zu übernehmen. Oder sich zumindest das Recht erkaufte, mitzureden und mit zu gestalten.
Ähnliches passierte nun mit Continental, dem Reifenhersteller für VW. Auch hier zeigte ein Familienunternehmen der Riege der Finanzjongleure und Banken was eine Harke ist. Schwuppdiwupp wurde der straff geführte Familienkonzern der sich bisher nur mit Wälzlagern und der Belieferung des Aftermarktes auseinandersetzte zum drittgrössten Automobilzulieferer der Welt.
Ein Jaulen geht durch die Hochschul-herangezüchteten-BWLer, wenn sie sich anschauen, dass ein Unternehmen doch so gänzlichst falsch agiert. Also falsch, weil sie meist konträr zu den auswendig gelernten Bibelsprüchen der jeweiligen Fakultät laufen. Denn auf den Universitäten wird nicht immer gelehrt, was ein Unternehmen ausmacht. Da werden Controller herangezüchtet.
Das ein Unternehmen auch durch solche unbezifferbaren Werte wie Mitarbeiterloyalität auch auf Kurs gehalten werden kann, mag für viele frische Studenten wie ein JEHOVA!!! klingen. Dass man den Arbeiter nicht nur als ärgerlichen Kostenfaktor sieht, sondern auch als Innovationsgeber. Lernen sie doch, dass es nur darauf ankommt, in den drei Monaten bis zur nächsten Bilanz für die Frankfurter Parkettbeschmutzer ein Plus zu erwirtschaften. Und wenn alle Stricke reissen erst einmal kreativitäslos da zu kürzen, wo das Geld gemacht wird. Unten bei den Arbeitern.
Die jüngsten Ereignisse zeigen deutlich wie weit es her ist mit den bisherigen Erkenntnissen der Finanzwelt. Aber gut, wer Ideen auf Papier und Bits’n Bytes verkauft kann kein Gespür für andere Faktoren entwickeln. So ist der Rücktritt des Mathematikers an der Spitze des Reifenherstellers Continental um Platz für eine Witwe zu machen, die das Handwerk Unternehmesführung jahrzehntelang von ihrem Mann und nicht von einer Fakultät abschaute,fast schon von einer phänomenalen Symbolik.
Gemaux spürt einen frischen Wind in der Wirtschaft und wünscht sich weitere Entwickungen wie die bei Porsche, Schaeffler, etc.