Winterwunderland

5 01 2009

Frohes neues Jahr.

Leise rieselt der Schnee………und er rieselte und rieselte und wollte überhaupt nicht aufhören zu rieseln.

Der Gemaux lebt ja nun schon seit einem guten Jahrzehnt im Ruhrgebiet. Ein positiver Nebeneffekt dieser Lokalisation ist, dass durch das jahrhundertelange Untertunneln dieser Region sich so etwas wie eine Unterbodenheizung gebildet hatte.

Anscheinend zeigt nun aber das Verstopfen dieser Heizkanäle durch vermehrte Stollenverfüllungen Wirkung. Heute morgen schaute der Gemaux schlaftrunken aus dem Fenster und wähnte sich im Winterurlaub in einer Bergmenschensiedlung. Die durch diesen anfänglichen Schock hervorgerufene Adrenalinmenge trat aber schnellstens dem Gehirn des Gemaux in die Weichteile, so dass dieses seinen Betrieb aufnahm und sich wieder erinnerte, dass es im Ruhrgebiet in einem morgenmuffeligen Körper Dienst tat.

Gemaux mag Schnee. Auf Postkarten und im Fernsehen. Auch in natura. Durch eine Scheibe auf der warmen Seite betrachtet.

Jedes Jahr versucht der Gemaux eine mutige Handvoll Schnee zu konservieren, die es mit dem Selbsterhaltungstrieb eines Lemmings geschafft hatte, den eigenen Überlebenskampf auf dem Boden für sich zu entscheiden. Gut, die Schwiegermutter hielt jedes  mal diese meteorologische Hilfsmassnahme für ein Zufrieren des Gefrierschranks und taute diesen dann ab. ABER IMMERHIN HABEN SIE LÄNGER ALS DIE ÜBLICHEN 2 SEKUNDEN AUF POTTBODEN ÜBERLEBT.

An diesem schönen Montagmorgen lagen draussen vor dem Tore satte 20cm fluffig flockige Schlittenkufenunterlagen.

Nur das es im Gemauxschen Haushalt seit Jahren keinen Schlitten mehr gibt.  Und zu allem Unglück musste der Gemaux auch noch raus, um sein monatliches Arbeitspensum zu erfüllen. Zielort: Siegen. Von fast 0 auf sozusagen knappe 400. Höhenmeter.

Mit einem leicht irren Kichern in Erahnung der Tagesvorkommnisse auf den Zähnen verliess der Gemaux die warme Wohnstube und fuhr gen Arbeitsstelle. Unwesentliche 295km Stau hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon auf NRWs Strassen angesammelt. Auf der A57 staute es sich gar auf einer Länge von 25km am Stück Richtung Süden in die rheinischen Hochburgen. Der Gemaux bereitete sich gedanklich schon mal auf ein spontanes Stand-in auf der A45 Richtung Bauer/Siegerland vor und fuhr los.

In den letzten Jahren war es ja häufig so, dass -sobald der erste Schnee fiel- jeder andere Teilnehmer panisch reagierte. Seltsam ruhig und ohne grössere Probleme erreichte der Gemaux seine Basis. Seltsam. Der Gemaux wähnte sich schon in einem Paralleluniversum. Keiner drängelte, schob, überholte riskant, etc. Es war als wären die Strassen mit einer riesigen Menge Sedativa bedeckt. Nix passierte.

Insofern hat der Schnee doch etwas Gutes bewirkt. Aber nun langt es dann auch. Wenn nun bitte einer den himmlischen Heizstrahler ein, zwei Stufen höher drehen könnte, wär der Gemaux sehr zufrieden.

Der Gemaux durfte übrigens unverrichteter Dinge wieder abziehen und nach Hause tuckern. Die ganze Arbeitsaktionwurde verschoben auf besseres Wetter. Oder halt freiere Strassen. Und nachdem der Gemaux auch noch den halben Hof geschneepflugt hatte, fehlte ihm auch die Energie um sich darüber aufzuregen.

Schönen weissen Wochenanfang wünscht

Gemaux





Mit Steuermann, an der Scheibe dran.

25 02 2008

Gemaux findet, dass neben den Handys die Navigationssysteme eine der sinnigsten Erfindungen, die der Menschheit angetan wurden, sind.
Wenn man viel mit dem Auto unterwegs ist. Also auf Montage, oder um Lasten von A nach B zu bringen, oder -so wie der Gemaux vor seinem Erziehungsurlaub- um potentielle Neu- und garantierte Altkunden in Städten zu besuchen, deren Anfahrtswege man noch nicht verinnerlicht hat.

Nun sind Navigationsgeräte heute auch erschwinglich und die Firmen sparen sich mittlerweile auch die kostspieligen Testfahrer zum Streckenaktualisieren, indem sie die Geräte einfach untereinander kommunizieren lassen wegen des Kartenabgleichs.
Schöne neue Welt, denkt sich da Tante Liselotte in ihrem nicht mehr ganz neuen Ford Fiasko von 1995 und kauft sich ein TimTim Run!. Klebt sich den Halter an die Windschutzscheibe und schon passiert, was passieren muss. Die Stoßstangen von Tante Liselotte künden von ihrem Verhältnis zu den Abmessungen des Wagens und der Fahrstil zu ihrem generellen Verhältnis zum Straßenverkehr. Und nun wird sie auch noch abgelenkt. Durch die nette Stimme da, die sie zielstrebig zu dem 3 km entfernten Aldimarkt hinführt. Oder zu Annemie, die 2 km vom Aldi und damit 5 km von ihr entfernt wohnt. Diese Wege fuhr Liselotte bisher ohne Navi (so nennt sie das Gerät mittlerweile ja auch könnerisch liebevoll) auch gut.

Aber es könnte ja mal sein, dass man auf diese ominösen Autobahnen muss. Oder das auf einmal das Ortsschild mit einem roten schrägen Balken an einem vorbeirauscht. Um dann der völligen Orientierungslosigkeit nicht ausgeliefert zu sein, hat sie sich beim Elektromarkt ein Navigerät besorgt. Eine Frau die schon Angst bekommt, dass ihr ab Tempo 100 die Reifen abschreddern und die den 4. Gang das letzte Mal in der Fahrschule benutzt hat, kauft sich ein Navigationsgerät. Und genauso schlimm fährt sie dann. Also noch weitaus schlimmer als vorher. Gemaux fragt sich da, bestimmt nicht ganz zu Unrecht: WOFÜR?!

Navigationsgeräte sind nützlich, keine Frage. Sie sind nützlich für Leute, die es eilig haben. Denn Navigationsgeräte sorgen dafür, dass Pendler, die morgens schlaftrunken die linke Spur versperren, sich für vermeintlich fuchsisch halten und vom TMS gesteuert die Seitenwege verstopfen. Während auf der Bahn alles auf einmal entspannter vonstatten geht. Weil mittlerweile in jeder Karre so ein Bildschirm klebt. Egal ob der Besitzer 80.000 KM im Jahr fährt oder 5.000. Allerdings beobachtet der Gemaux bei Letzteren immer öfter eine leichte Überforderung. Die Kombination von rostigem Kleinwagen mit transusigem Fahrer wird auch dann nicht straßentauglicher, wenn in der Windschutzscheibenmitte die vermeintlich erste Frau im Wagen sitzt und ihren Senf zum Fahren dazu gibt. Die ~200€, für den kleinen elektronischen Helfer wären für alle besser in ein Fahrtraining investiert gewesen. Komischerweise machen das aber meist nur die, die eh ihren Tagesablauf mit dem PKW und in ihm verbringen. Dabei hätten es die anderen doch viel nötiger.

Findet Gemaux und wünscht einen schönen Wochenanfang.